• Christian Eckardt

Abgesang an die Kreuzfahrt

Ehemaliges TV-Traumschiff „Berlin“ soll zur Megayacht umgebaut werden


Der bisherige Eigentümer des Kreuzfahrtschiffes „Berlin“, FTI Cruises aus München hat den Verkauft des ehemaligen TV-Traumschiffes an die Gesellschaft Dreamliner Cruises, ein Unternehmen der Royalton Investment, bekannt gegeben. Schon vor einigen Wochen hatte FTI Cruises die Einstellung des Kreuzfahrtgeschäftes verkündet. Alle bisher geplanten Abfahrten für September und Oktober 2020 der „Berlin“ wurden damit komplett abgesagt. Dreamliner Cruises plant nach einer Mitteilung von FTI Cruises einen Komplettumbau. Dank ihrer Größe und überschaubaren Passagierkapazität für maximal 412 Gäste, war die „Berlin“ bislang das ideale Schiff für den Gruppen- und den Chartermarkt, da dieses Schiff Routen und Häfen ansteuern konnte, die großen Kreuzern verwehrt blieben.


Die in Malta ansässige Holding, die über die weltweit größte Flotte an Megayachten verfügt, erweitert mit dem Kauf der „Berlin“ ihre Flotte in einem derzeit schnell wachsenden Cruise-Segment. „Wir freuen uns über das Angebot von Dreamliner Cruises, die das Kreuzfahrtschiff „Berlin“ in eine moderne, luxuriöse Megayacht verwandeln werden“, erklärt Alexander Gessl, Geschäftsführer FTI Cruises. Mr. Clayton Andreson, CEO von Dreamliner Cruises betonte: „Die „Berlin“ passt aufgrund ihrer Größe perfekt in unsere Vision, Luxusyachtkreuzfahrten anzubieten. Wir freuen uns daher, dass sie nach einem umfassenden Umbau als Teil unserer Flotte durch die Weltmeere kreuzen wird.“ Über den Verkaufspreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Royalton Investment besitzt nach eigenem Bekunden über Tochtergesellschaften die weltweit größte Flotte an Megayachten und ist außerdem im Immobilien- und Hotelsektor aktiv. Die Marke Dreamliner Cruises ist in der Kreuzfahrtwelt bisher nicht in Erscheinung getreten. Die „Berlin“ wurde 1980 für die deutsche Traditionsreederei Peter Deilmann bei HDW in Kiel gebaut. Schon kurze Zeit später, von 1982 bis 1985 fuhr das Schiff in Charter als „Princess Masuhri“ unter der Flagge Singapurs. Ab 1986 verkehrte es dann wieder als „Berlin“ unter der Flagge von Deilmann und blieb bis 1999 die Kulisse für die ZDF Fernsehserie ‚Traumschiff‘.

Ende 1986 wurde die „Berlin“ auf der Nobiskrug-Werft in Rendsburg um 16,8 Meter von 122,5 auf 139,3 Meter verlängert. Durch den Umbau vergrößerte sich die auch die Passagierkapazität von 330 Passagiere in 150 Kabinen auf 420 Passagiere in 210 Kabinen. Im Jahr 2005 verkaufte Deilmann das Schiff an die britische Saga Cruises, die es als „Spirit of Adventure“ einsetzte. Eine Saison wurde es von Saga an das russische Kreuzfahrtunternehmen Metropolis Tur verchartert, die es als „Orange Melody“ einsetzte. Seit Mai 2012 ist das ehemalige ‚Traumschiff‘ unter dem Namen ‚FTI Berlin‘ als erstes Schiff für die neu gegründete Tochtergesellschaft FTI Cruises der Münchner FTI Touristik GmbH im östlichen Mittelmeer sowie im Schwarzen Meer unterwegs. Die Jungfernfahrt der ‚FTI Berlin‘ startete am 21. Mai 2012 in Genua. Seit März 2014 war das Schiff dann wieder unter dem ursprünglichen Namen „Berlin“ im Einsatz, zuletzt auf Routen in der Karibik, dem Mittelmeer sowie der Nord- und Ostsee unterwegs. Nachdem die FTI Group im Sommer 2020 angekündigt hatte, infolge der COVID-19-Pandemie Teile ihrer Geschäftstätigkeit einzustellen, darunter auch den Reiseveranstalter FTI Cruises, wurde das Schiff zum Verkauf angeboten. Offensichtlich ist der Verkauf bzw. die Übergabe des Schiffes schon erfolgt, denn die AIS-Daten geben am derzeitigen Liegeplatz in der kroatischen Hafenstadt Split den Namen „Dream Goddess“ mit Heimathafen Bahamas an.


Mit dem Verkauf der „Berlin“ und dem geplanten Umbau zur Megayacht folgt die „Berlin“ einem weiteren ehemaligen Kreuzfahrtschiff der Deilmann-Reederei, denn 1985 baute die Bremerhavener Lloyd Werft die ehemalige, 1966 erbaute „Regina Maris“ zur Megayacht „Alexander“ für die Familie Latsis um.

ALEXANDER ex REGINA MARIS 2004 in Griechenland



MINERVA 2017 bei der Lloyd Werft in Bremerhaven



Auch von anderen Umbauten von ehemaligen Kreuzfahrtschiffen zu Yachten ist in der Vergangenheit immer wieder zu hören. Doch seit ein paar Jahren ist es ruhig zu den Umbauprojekten der ehemaligen „Saga Pearl II“, erbaut 1980 als „Astor“, als auch von der „Minerva“, die zuvor schon mehrfach auf der Lloyd Werft umgebaut wurde, geworden. Die „Saga Pearl II“ wurde im April 2019 vom griechischen Geschäftsmann Miltos Kambourides erworben und soll auf der Koros-Werft zu einer privaten Yacht umgebaut werden. Die „Minerva“ liegt seit mehr als zwei Jahren in Elefsina und soll angeblich einen arabischen Eigner haben.

0174-3707093

©2020 weser-maritime-news. Erstellt mit Wix.com