• Christian Eckardt

ARGE Küstenschutz gewinnt drei Ausschreibungen für das Notschleppkonzept des Bundes an Nordsee, Osts



Neuer Präsenzschlepper sichert erstmals die hochfrequentierte Elbe

Große Freude bei der ARGE Küstenschutz, hinter der die Fairplay Towage Group steht, nachdem im März gleich drei Ausschreibungen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) gewonnen wurden. Mit den unter deutscher Flagge fahrenden Notschleppern „Nordic“ für die Deutsche Bucht und „Baltic“ für die Ostsee kann die erfolgreiche Arbeit der Vergangenheit ab Juli 2022 nahtlos fortgesetzt werden. Ebenfalls gewonnen wurde die erstmalige Ausschreibung eines Präsenzschleppers für die Elbe.

Möglicherweise vor dem Hintergrund des vor fast genau einem Jahr bei starkem Wind auf Grund gelaufenen Containerriesen „Ever Given“ im Suez-Kanal sowie der immer größeren Containerschiffe mit bis zu 400 Meter Länge auf der Bundeswasserstraße Elbe, erfolgte Ende 2021 durch das WSA Elbe-Nordsee erstmals die Ausschreibung für einen Präsenzschlepper. Gefordert wurde die Stationierung eines Präsenzschleppers im Bereich Stade-Bützfleth, der 365 Tage im Jahr zur Verfügung steht und innerhalb von 15 Minuten zu einem Einsatz auslaufen können muss. „Aus unserer Flotte von mehr als 100 Schleppern war die „Fairplay 35“ für das geforderte Anforderungsprofil perfekt“,“ berichtet Philip-Alexander Harmstorf, einer der Geschäftsführer der Fairplay Towage Group mit Sitz in Hamburg. „Wir sind sehr stolz, dass wir mit dem Zuschlag dieser dritten Ausschreibung der WSV jetzt ab 1. April 2022 den Präsenzschlepper auf der Elbe stellen werden.“


Der 2011 in Spanien erbaute Schlepper „Fairplay 35“ mit einem Pfahlzug von 103 Tonnen war die letzten Jahre meist in Rotterdam im Einsatz. Einsatzbefehl und Weisungsrecht für diesen Schlepper nimmt nun für die WSV Elbe-Nordsee die Verkehrszentrale Brunsbüttel-Elbe wahr. Die Funktion der Präsenzschlepper ist nicht das Schleppen eines havarierten Schiffes in den nächsten Hafen, sondern vielmehr die möglichen Gefahren für Leib, Leben und Umwelt abzuwenden, bis Schlepphilfe eintrifft, d.h. die Sicherung und das Positionhalten eines manövrierunfähigen oder auf Grund gelaufenen Schiffs. Die Vertragslaufzeit für den Präsenzschlepper für die Elbe beträgt zunächst ein Jahr mit einer sechsmonatigen Verlängerungsoption.

Animation: ARGE Küstenschutz


Hintergrund für die gecharterten Notschlepper „Nordic“ (201 Tonnen Pfahlzug) und „Baltic“ (127 Tonnen Pfahlzug) ist das 2001 vom Bund in Kraft gesetzte Notschleppkonzept. Nach der Havarie des Stückgutschiffes „Pallas“ im Herbst 1998 entwickelte die Bundesregierung ein nationales Notschleppkonzept. Dabei sollen durch eine strategische Positionierung entlang der deutschen Nord- und Ostseeküste Havaristen in möglichst kurzer Zeit erreichen können. Für dieses Notschleppkonzept, das 2001 in Kraft trat, werden bundeseigene sowie privat betriebene und an den Bund vercharterte Schlepper eingesetzt. So wurden an strategischen Positionen vom Bund selbst betriebene Mehrzweckschiffe („Mellum“, „Neuwerk“, „Scharhörn“ und „Arkona“) sowie die von der Arge Küstenschutz betriebenen und vom Bund gecharterten Notschlepper „Nordic“ und „Baltic“ so stationiert, dass innerhalb von maximal zwei Stunden ein Havarist erreicht werden kann. Für die deutsche Bucht gilt, dass die „Nordic“, wie auch die „Baltic“ vor Kühlungsborn, ein zusätzliches landgestütztes vierköpfiges Towing Assistance Team* vorhält, das im Notfall von einem Helikopter an Bord des Havaristen abgewinscht wird und eine sichere Schleppverbindung herstellt.



Der aktuelle Zuschlag durch das Reedereizentrum bedeutet, dass die „Nordic“ ab 1.1.2023 in der Nordsee und die „Baltic“ ab 1.7.2022 in der Ostsee für mindestens weitere sechs Jahre zuzüglich einer Option für zusätzliche zwei Jahre ihren Dienst fortsetzen werden. Das ist auch eine gute Nachricht für die Ausbildung unter deutscher Flagge. Die „Nordic“ hat in der Vergangenheit neben ihrer Stammbesatzung regelmäßig bis zu 10 Schiffsmechaniker-Auszubildende sowie einen Ausbildungsoffizier an Bord.

Inzwischen ist die Fairplay Towage Group der zweitgrößte Ausbildungsbetrieb in der deutschen Seeschifffahrt und ist schon für ihr exzellentes Ausbildungsprogramm durch die Berufsbildungsstelle Seeschifffahrt e.V. ausgezeichnet worden. „Das ist ein Erfolgskonzept“, so Holger Schwesig, ebenfalls Geschäftsführer der Fairplay Towage Group, „an das wir nahtlos anknüpfen, um mit dem Qualitätsniveau der Fairplay-Ausbildung auch zukünftig Branchenmaßstäbe zu setzen. In unserer Schlepperflotte sind daher auch Karrieren vom Schiffsmechaniker bis zum Kapitän keine Seltenheit.“

Die Reederei Fairplay Towage, zu der seit fünf Jahren auch die traditionsreiche Schleppreederei Bugsier gehört, ist nach eigenen Angaben eine der führenden europäischen Schleppreedereien mit Büros unter anderem in Hamburg, Bremerhaven, Rostock und Antwerpen. Neben den reinen Hafenschleppdiensten ist das Unternehmen auch weltweit in der Schleppschifffahrt tätig sowie im Offshore- und im Bergungsgeschäft.

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