• Christian Eckardt

Aus für die Elsflether Werft nach 104 Jahren



Wie die Lürssen-Werft als Eigentümerin der Elsflether Werft jetzt mitteilte, ist eine Fortführung der Werft in Elsfleth „wirtschaftlich nicht tragfähig“. Somit werde im laufenden Jahr der Betrieb dort eingestellt, wobei es keine Entlassungen geben soll.Erst vor einigen Monaten hatte die Bremer Werft die Elsflether Werft, an einem Nebenarm der Hunte, nach einem längeren Tauziehen mit der Fassmer-Werft aus der Insolvenz übernommen. Doch nun folgt für die rund 130 Mitarbeiter das endgültige Aus.Nach der Übernahme der Reparaturwerft im Oktober 2019 durch die Lürssen Werft wurde eine Bestandsaufnahme durchgeführt, wobei das Ergebnis diese Woche vorlag. Eine Zukunft sieht man am Standort in Elsfleth nicht. Zum einem ist der Werfhafen in der Hunte enorm verschlickt, wobei der Schlick auch noch mit Schadstoffen belastet sein soll. Altlasten auf dem Gelände sowie ein massiver Sanierungsstau würden enorme Investitionen hervorrufen, die sind aus dem laufenden Betrieb nicht zu erwirtschaften. Daher ist seitens der Geschäftsführung die schwierige Entscheidung getroffen worden, den Betrieb zu schließen. Allen 130 Mitarbeitern soll ein Angebot zur Übernahme an einer der anderen Standorte der Lürssen-Gruppe unterbreitet und in den kommenden Monaten in persönlichen Gesprächen konkretisiert werden, heißt es. Denn das Know How im Reparaturgeschäft will das Bremer Familienunternehmen erhalten.


Erschwerend für den Standort der Elsflether Werft kommt hinzu, dass die an den Werftstandort angrenzenden Flächen im Februar 2020 nach der europäischen FFH-Richtlinie als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen worden sind. Das hat zur Folge, dass Lärm, Staub, Farbnebel, und andere typische Werftemissionen nicht mehr zulässig sind. Auch diese Einschränkung rechtfertige keine langfristige Perspektive für diesen Standort als Werft und Industriebetrieb.Der Anfang vom Ende erfolgte durch den Auftrag der Deutschen Marine zur Generalüberholung der 1958 in Dienst gestellten 3-Mast-Bark GORCH FOCK. Dieser Auftrag wurde zunächst mit rund 10 Millionen Euro veranschlagt, im Jahr 2018 wurden die Kosten für die vollständige Wiederherstellung des Schiffes im Verlaufe auf insgesamt bis zu 135 Millionen Euro geschätzt.


Durch finanzielle Unregelmäßigkeiten geriet die Werft zunächst in die Schlagzeilen und im Februar 2019 in die Insolvenz. Anfang Januar 2019 waren bereits 69 Millionen Euro für die Sanierung des Schiffes ausgegeben, wobei sich der Segler in einem angemieteten Dock der Bredo-Werft in Bremerhaven befand. Gegen die früheren Vorstände sowie einen Mitarbeiter des Marinearsenals in Wilhelmshaven ermittelt die Staatsanwaltschaft unter anderem wegen des Verdachts der Untreue. In diesem Zusammenhang wurde Ende Januar die Geschäftsführung der Werft ausgetauscht. Die beiden neuen Geschäftsführer wollten dem Verteidigungsministerium im Februar 2019 ein Angebot zur abschließenden Sanierung der GORCH FOCK unterbreiten. Im Februar 2019 wurde auch bekannt, dass die Elsflether Werft seit mehreren Monaten Außenstände in zweistelliger Millionenhöhe hat. Am 20. Februar 2019 stellte das Unternehmen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Im Oktober 2019 erwarb dann die Lürssen Werft nach einem Bieterwettstreit mit der Fassmer-Werft die Elsflether Werft nach Angaben des Gläubigerausschusses 3,57 Mio. Euro. Teil dieser Transaktion war dann auch die Fortführung des Instandsetzungsauftrags für die GORCH FOCK, die eigentlich zum Jahresende 2020 abgeschlossen sein sollte. Doch auch die aktuelle Sanierung auf dem Gelände der Lürssen-Werft in Berne hat sich mittlerweile erneut verzögert.





Die Geschichte der Elsflether Werft


Die Werft verfügt im Landkreis Wesermarsch über ein Areal von 150.000 m² und ist zuletzt nur noch als Reparturwerft tätig, wobei es sich historisch um eine Neubauwerft handelte. Es begann 1916. Die Idee zur Gründung der Elsflether Werft geht auf Schiffbauingenieur Franz Peuss zurück. Sein Plan fand in verschiedenen Oldenburger Kreisen Anklang und auch der Oldenburger Großherzog förderte die Werftgründung seit den Anfangsstunden. Am 12. Oktober 1916 geht die Elsflether Werft Aktiengesellschaft an die Börse und Peuss, Initiator und Gründervater, wird in den Vorstand bestellt. Die Elsflether Werft übernahm am Anfang ihrer Unternehmensgeschichte fast ausschließlich den Neubau von Handelsschiffen. Während der ersten Jahrzehnte lag die Hauptkompetenz bei der Planung und Umsetzung neuer Schiffe. Mit dem zweiten Weltkrieg und einer herausfordernden Nachkriegszeit zeichnete sich sehr schnell ein Trend ab. Statt Neubauten fragten die Kunden vor allem nach Instandhaltungs- und Umbauarbeiten.Der große Passagiersegler LILI MARLEEN war 1994 eines der letzten Schiffe, den die Elsflether Werft als Neubau verließ. Seit 1996 konzentrierte sich die Werft ausschließlich auf die Reparatur, Wartung und den Umbau von Segelschiffen, zeitgemäßen Handelsschiffen sowie von Schiffen öffentlicher Auftraggeber wie etwa der Bundesmarine, dazu gehörte über fast zwei Jahrzehnte auch die Instandsetzung der GORCH FOCK.


Der 128,4 Meter lange Containerfrachter VISGURIS war das größte Schiff, das je in der Elsflether Werft gebaut wurde. Im Mai 1971 lief der Frachter vor weit über 1.000 Zuschauern vom Stapel. Die Werft spezialisiert sich ab den 1970er Jahren durch Druck der Wettbewerber aus Fernost auf den Bau von Spezial- und Sonderschiffbau. Aufträge für Yachten und Marine. Die Auftragslage für Neubauten ging auch in den 1980er Jahren stetig zurück. Fast ein Drittel der Werkskapazität wurde von Marineaufträgen ausgeschöpft. Über die Dekade folgten zwei Aufträge für Yachten. Die Reparaturarbeiten an dem Segelschff GROSSHERZOGIN ELISABETH, kurz „LISSY“, brachten der Elsflether Werft vor allem in der Region hohes Ansehen ein. Dennoch brachten die vergangenen sowie die folgenden Jahre mehr Verluste als Gewinne mit sich. 1994 lief das letzte selbstgebaute Schiff vom Stapel: Das erste deutsche, als Barkentine getakelte, Kreuzfahrt-Segelschiff LILI MARLEEN für die Reederei Deilmann. Zwei Jahre lang ist die Zukunft der Werft unklar und im Jahr 1994 wurde ein Konkursverfahren wegen Überschuldung eingeleitet. Erst 1996, die Werft übernahm bis dahin kleine Umbau- und Reparaturarbeiten, wurde die Rettung in letzter Sekunde verkündet: Während die Mitarbeiter bereits glaubten, ihren Job verloren zu haben, fanden sich neue Geldgeber unter Führung der Reeder-Familie Rohden. Als GmbH & Co. KG wurde die Elsflether Werft 1996 neu gegründet. Kurt Wiechmann übernahm 1997 gemeinsam mit Gerhard Rohden und Dieter Griebel die Geschäftsführung. Unter der neuen Firmierung führt die Werft größtenteils Reparatur-, Umbau-, und Wartungsarbeiten durch. Die Auslastung der Werft liegt im Jahresdurchschnitt bei 80%. Bereits im ersten Jahr schreibt die Werft schwarze Zahlen.Im Jahr 2000 erhält die Elsflether Werft den Auftrag zur Grundinstandsetzung und Modernisierung der GORCH FOCK, die das Schulsegelschiff für weitere 25 Jahre auf der See vorbereiten sollte.




www.elsflether-werft.de/


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