• Christian Eckardt

Colcrete-von Essen GmbH & Co. KG meldet Insolvenz an


Geschäftsbetrieb läuft in vollem Umfang weiter – Sanierung in Eigenverwaltung



Das mittlerweile 160 Jahre alte Spezialwasserbau-Unternehmen Colcrete-von Essen GmbH & Co. KG aus Rastede hat bereits Mitte März beim Amtsgericht Oldenburg erfolgreich ein Verfahren zur Sanierung in Eigenverwaltung beantragt, wie kürzlich mitgeteilt wurde. Der Geschäftsführer Christoph von Harling führt das Unternehmen fort. Die Geschäftsführung wurde zudem durch Dr. Bertram C. Liebler als CRO (Chief Restructuring Officer) verstärkt. Steffen Schneider und Justus von Buchwaldt, Partner der Restrukturierungskanzlei BBL Bernsau Brockdorff, unterstützen das Team als Generalbevollmächtigte; sie werden insbesondere die verfahrens- und insolvenzrechtlichen Themen koordinieren. Zum vorläufigen Sachwalter hat das Gericht Rechtsanwalt/Steuerberater Dr. Hendrik Heerma, Partner der Kanzlei FRH Fink Rinckens Heerma bestellt. Der in der maritimen Industrie erfahrene Restrukturierungsexperte begleitet und überwacht die Eigenverwaltung des Unternehmens. Die kaufmännische Verfahrensbegleitung übernimmt ein ortsansässiges Team der comes Unternehmensberatung.

Der Geschäftsbetrieb des Wasserbau-Spezialisten für Küstenschutz und Häfen läuft uneingeschränkt weiter. Die Gehälter der 95 Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit bis Ende Mai 2020 gesichert. „In der Eigenverwaltung liegt die Chance, uns und die gesamte Colcrete-von Essen-Gruppe zukunftsfähig aufzustellen. Alle Aufträge werden wie geplant durchgeführt“, sagt Geschäftsführer von Harling. Nicht von der Insolvenz betroffen sind weitere Gesellschaften der Gruppe wie zum Beispiel die Colcrete von Essen Wasserbau GmbH & Co KG in Ückermünde und der Gewatech Grund- und Wasserbau GmbH & Co. KG in Münster.


„In den kommenden Wochen werden wir die bereits eingeleitete Restrukturierung konsequent fortsetzen, einen Insolvenzplan erarbeiten und einen Prozess zur Investorenansprache starten“, sagt Justus von Buchwaldt von BBL, der bereits zahlreiche Unternehmen erfolgreich bei ihrer Sanierung begleitet hat. „Das Unternehmen verfügt über Spezial-Know-how und anerkannt umweltfreundliche Verfahren, entsprechend gut ist der Ruf in der Branche“, betont sein Kollege Steffen Schneider.


Grund für den Antrag auf Sanierung in Eigenverwaltung sind Liquiditätsprobleme im Zuge von massiven Schwierigkeiten bei der Abwicklung eines Großprojekts in Schottland. Hier waren unerwartete Mehraufwendungen nötig, um die angebotenen Leistungen erbringen zu können und von Vorunternehmern verschuldete Ablaufschwierigkeiten zu kompensieren. Zudem hat das Projekt die internen Management-Kapazitäten lange Zeit fast vollständig gebunden, so dass zu wenig Folgeaufträge generiert wurden und der Umsatz deutlich zurückging.

Die Colcrete-von Essen GmbH & Co. KG ist eines der führenden Spezial-Wasserbauunternehmen für Küstenschutz und Schifffahrtsstraßen in Deutschland. Es u. a. arbeitet nach dem sog. Colcrete-Verfahren, dabei werden die Ausgangsstoffe in Spezialmischern so aufbereitet, dass am Ende des Aufbereitungsprozesses ein besonderer Mörtel entsteht, der ohne Verwendung chemischer Zusatzmittel beim Einbau unter Wasser erosionsstabil ist. Mit speziellen Einbaugeräten können mit dem Colcrete-Verfahren Deckwerke über und unter Wasser zielsicher verklammert und vergossen werden.

Das Unternehmen erzielte in den vergangenen Jahren jeweils Jahresumsätze von 25 bis 30 Millionen Euro und beschäftigt im Durchschnitt etwa 95 Mitarbeiter.




Geschichte

Im Jahr 1860 wird das Unternehmen von Martin Friedrich von Essen gegründet. Am Beginn steht der Bau von Schlengen und Lahnungen, die in Flüsse und Wattgebiete eingebracht werden. Um 1900 weitet sich der Geschäftsbereich dann deutlich aus. Zur Fahrwasservertiefung von Jade, Weser und Ems kommt der Bau von Buhnen und Leitdämmen aus Schüttsteinen, die auf Sinkstücken gegründet sind. Mitte der 60er Jahre wird der Deckwerksbau durch das Colcrete–Verfahren optimiert. Colcrete–Betonmatten und Colcrete–Injektionsbeton folgen in den 70ern.

Ab den 90er Jahren werden in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Instituten umfangreiche Untersuchungen durchgeführt. Beispielsweise zum wirksamen Schutz hoch belasteter Hafensohlen. Colcredur, eine Spezialweichdichtung für den Einsatz im Verkehrswasserbau, wird entwickelt und kurz darauf folgt die Verlegeeinheit für Geotextilmatten und Schüttsteine. Parallel zu den Entwicklungen im Spezialwasserbau vergrößert sich das Spektrum der wasserbaulichen Leistungen in Kanälen, Flüssen, Häfen, an der Küste und im Offshore Bereich.

Heute deckt Colcrete-von Essen mit seinem profilierten Mitarbeiterteam und seinen leistungsfähigen, modernen Geräten das gesamte Spektrum des Wasserbaus im Küstenschutz und Schifffahrtsstraßenbau ab. Zu den Wasserbaufahrzeugen gehören heute selbstfahrende Arbeitsschiffe, Steinstürzer, Stelzenpontons, Rammpontons, Schubboote, Schuten, Bagger und Kräne.


Foto: Colcrete von Essen


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