• Christian Eckardt

Dritter ägyptischer Fregattenneubau hat Schiffbauhalle bei Stahlbau-Nord verlassen



Wasserung erfolgt wieder im Neustädter Hafen in Bremen


An diesem Wochenende erfolgte bei Stahlbau-Nord in Bremerhaven das so genannte Roll-Out für die dritte und vorerst letzte von drei Fregatten, die das zur Rönner-Gruppe gehörende Unternehmen in den vergangenen Monaten in der Lunehalle im Bremerhavener Fischereihafen produziert hat. Die drei Fregatten entstehen im Unterauftrag für die Kieler Werft TKMS für die ägyptische Marine. Pro Schiff soll der Preis bei rund 500 Millionen Euro liegen. Die Bundesregierung hatte den Rüstungsexport genehmigt und gibt auch Exportkredit-Garantien für den Milliarden-Auftrag.


Am Samstagmorgen öffnete sich zunächst das große Tor I der Lunehalle vollständig und erstmals war ein Blick auf die geschätzt rund 2.500 Tonnen schwere und noch namenlose Fregatte zu sehen. Durch Probleme mit dem Hydrauliksystem an den Schwerlastfahrzeugen (SPMT) erfolgte das Roll-out dann aber erst in den späten Nachmittagsstunden. Am Sonntag wurde die 121 Meter lange Fregatte auf den Schwerlastponton „BHV Innovation“ verschoben. Dieser Ponton mitsamt der Fregatte wird dann schon am frühen Montagmorgen, wie auch schon bei den baugleichen Schwesterschiffen auch, mit dem Hochwasser mit Schlepperhilfe nach Bremen in den Neustädter Hafen überführt. Hier steht dann die schwierigste Aufgabe an, die Wassererung des Pontons mitsamt der Fregatte. Dies erfolgt durch die Flutung der Ballastwassertanks des Schwerlastpontons in einem besonders tiefen Bereich des Hafens. Der Ponton senkt sich durch das Gewicht des Wassers langsam ab, so weit, dass die Fregatte anschließend frei im Wasser schwimmt. Später wird die neue Fregatte dann mit Schlepperhilfe zurück nach Bremerhaven zur Labradorpier vor die Lunehalle geschleppt, wo dann die weitere Ausrüstung des Schiffes erfolgt.


Hier liegt schon das weitestgehend vollständig fertiggestellte Typschiff dieser Serie, die „Al Aziz“, benannt nach einem ägyptischen Herrscher, die mittlerweile schon eine erfolgreiche mehrtägige Probefahrt bis in das Skagerrak absolviert hat. Das zweite Schwesterschiff aus dieser Serie wurde erst letzte Woche bei der Bredo Werft im Schwimmdock trockengestellt. Über den Umfang der anstehenden Arbeiten im Dock gibt es keine Informationen. Auskünfte zu dem Projekt werden von Stahlbau Nord aufgrund einer Verschwiegenheitserklärung gegenüber dem Auftraggeber nicht gegeben. Wie ein Sprecher der Kieler Werft TKMS jedoch kürzlich mitteilte ist im Mai dann bei Stahlbau Nord eine Doppeltaufe der zweiten und dritten Fregatte geplant. Ein genauer Termin hierfür wurde noch nicht genannt.


Noch bleiben die drei Fregatten eine Zeitlang für die umfangreichen technischen Ausrüstungsarbeiten in Bremerhaven, jedoch ist von Anschlussaufträgen im Umfeld der Werft derzeit nichts bekannt. TKMS soll sehr zufrieden mit den bisherigen Arbeiten sein, heißt es. Zunächst hieß es, dass man hier in Bremerhaven nur die Stahlrümpfe bauen wird, die weitere Ausrüstung der Fregatten sollte ursprünglich in Kiel erfolgen. Doch in den vergangenen Monaten erfolgte an der Labradorpier in Bremerhaven, auch durch die Corona-Pandemie unter erschwerten Bedingungen, zumindest schon an der „Al Aziz, auch die finale technische Ausrüstung und zum Teil auch die Bewaffnung der Fregatte vom Typ Meko 200.



Ob Stahlbau Nord nochmals einen militärischen Auftrag aus Kiel erhalten wird, bleibt nun aber abzuwarten. Zwar hat die Kieler Werft ein prall gefülltes Auftragsbuch doch gilt die auf Marinebauten spezialisierte Werft als einer der Hauptinteressenten für den Erwerb für die ehemaligen MV-Werften mit dem Standort in Wismar. Bei einer möglichen Übernahme des Standortes mit dem großen überdachten Baudock könnte TKMS dann die Produktion in Eigenregie übernehmen und wäre dann nicht auf die Hilfe aus Bremerhaven angewiesen.


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