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  • AutorenbildChristian Eckardt

Erfolgreicher Autodidakt mit Leidenschaft für die Seefahrt: Das DSM trauert um Arnold Kludas



Wegweisender Bibliotheksleiter, profunder Kenner der Schifffahrtsgeschichte und leidenschaftlicher Sammler und Stifter maritimer Fotografien: Das Deutsche Schifffahrtsmuseum / Leibniz-Institut für Maritime Geschichte (DSM) trauert um seinen ersten Bibliotheksleiter Arnold Kludas, der bereits am 25. Februar im Alter von 93 Jahren verstorben ist. Er war rastlos, immer auf der Suche nach neuen Erkenntnissen und Fotomotiven, dabei bestimmt und hartnäckig, durchdrungen von einer tiefen Leidenschaft für die Seefahrt. „Wir trauern um eine engagierte Führungskraft, um einen profunden Kenner der deutschen Passagierschifffahrtsgeschichte und einen leidenschaftlichen Sammler maritimer Fotografie, der unserem Haus bedeutende Sammlungsbestände gestiftet hat“, sagt DSM-Direktorin Prof. Dr. Ruth Schilling. „Sein Andenken werden wir in Ehren halten. Unser tiefes Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.“ Am 18. Oktober 1929 in Hamburg geboren, erwachte die Begeisterung für die Passagierschifffahrt in Arnold Kludas 1937 auf den St. Pauli-Landungsbrücken beim Anblick der auslaufenden CAP ARCONA: „Die Faszination dieser ersten Begegnung mit einem Schiff hat mich niemals mehr losgelassen.“ Ehe sich Kludas aber ganz seiner Passion hingeben konnte, bedurfte es längerer und durchaus ungewöhnlicher Umwege. Die Bombenangriffe auf Hamburg verschlugen ihn 1943 an eine mecklenburgische Internatsschule, deren Schließung nach Kriegsende auch für seinen geplanten Bildungsweg das Ende bedeutete. Nach verschiedenen Beschäftigungen, etwa im berüchtigten sächsischen Uranerzbergbau, führte seine unverhohlene Ablehnung des kommunistischen Regimes letztlich dazu, dass er 1951 ohne abgeschlossene Ausbildung vor der drohenden Verhaftung nach Westdeutschland floh, wo er 1955 eine Anstellung als Kranführer bei Blohm + Voss fand. Es folgte ein schneller, konsequenter Aufstieg bis hin zum Leiter der unternehmenseigenen Fachbibliothek, begünstigt durch sein breit angelegtes Wissen auf den Gebieten Schifffahrt und Schiffbau sowie der hamburgischen Geschichte. Zwischenzeitlich hatte der begabte Autodidakt 1971 sein erstes Buch veröffentlicht, dessen Erfolg den Gerhard Stalling Verlag in Oldenburg dazu ermutigte, ihm die Position als verantwortlichen Lektor und Redakteur maritimer Publikationen anzubieten. 1976 folgte ein weiterer Karriereschritt. Kludas wurde Leiter der Bibliothek am neu eröffneten Deutschen Schifffahrtsmuseum. Mit Elan erschloss er die damals noch weitgehend unsortierten Literaturbestände, trennte sie von den Archivalien und schuf ein Katalogisierungssystem, das noch heute Bestand hat. Als er 1992 in den Ruhestand ging, hatte er die maritime Fachbibliothek des DSM zu einer der bedeutendsten Einrichtungen ihrer Art entwickelt. Daneben bleibt Kludas als Verfasser von weit über 100 Büchern und Aufsätzen zur Schifffahrtsgeschichte in Erinnerung. Bereits in den 1970er-Jahren wurde er mit der Abhandlung „Die großen Passagierschiffe der Welt“ in fünf Bänden, die auch auf Englisch erschien, zu einem international bekannten Fachautor. Es folgten zahlreiche Veröffentlichungen zu deutschen Reedereiflotten und -linien, ehe er zwischen 1986 und 1990 in der wissenschaftlichen Schriftenreihe des DSM sein Hauptwerk, die ebenfalls fünfbändige „Geschichte der deutschen Passagierschifffahrt“, veröffentlichte. Auch im Ruhestand blieb er als Autor aktiv; seine letzte Veröffentlichung datiert aus dem Jahr 2020. Auch als Fotograf machte sich Kludas einen Namen. Seit seiner Rückkehr nach Hamburg hatte er in Tausenden von Aufnahmen die Schifffahrt im Hamburger Hafen, auf der Unterelbe und am Nord-Ostsee-Kanal dokumentiert. Er wurde so zu einem bedeutenden Bildchronisten der letzten Phase der Stückgutfahrt und des beginnenden Containerzeitalters. Daneben baute er auch eine große Privatsammlung historischer Schifffahrtsfotografien anderer Fotografen auf, die er später zu großen Teilen dem DSM stiftete.


Ein Nachruf vom Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven

Foto: Deutsches Schifffahrtsmuseum

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