• Christian Eckardt

Nächster Schritt zur Realisierung eines schwimmenden LNG-Terminals in Wilhelmshaven


Mitsui und LNG Terminal Wilhelmshaven unterzeichnen Vertrag zum Bau und Charter eines LNG-Terminalschiffs


Die japanische Reederei MOL (Mitsui O.S.K. Lines Ltd., Tokio, Japan) und die Betreibergesellschaft LNG Terminal Wilhelmshaven (LTW) haben einen Vertrag zum Bau und Charter des LNG-Terminalschiffs (in der Fachsprache Floating Storage and Regasification Unit, FSRU) für das geplante LNG-Anlandungsterminal in Wilhelmshaven an der Nordsee unterzeichnet. Die LTW ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der in Düsseldorf anässigen Uniper SE. MOL gilt als eines der größten Schifftransport-Unternehmen der Welt und der größte Betreiber von LNG-Tankern. Zur Flotte von MOL gehören aber auch Trockenfrachtschiffe, Tanker und RoRo-Frachter.


Dieses so genannte FSRU mit einer Kapazität von rund 263.000 Kubikmeter wird bei der südkoreanischen Werft DSME (Daewoo Shipbuilding Marine EngineeringCo., Ltd., Geoje) gebaut. Nach der geplanten Ablieferung 2023 wird es anschließend für zwanzig Jahre von LTW gechartert. Dabei wurde es gemeinsam von beiden Vertragspartnern gemäß den lokalen und umweltrechtlichen Anforderungen für den deutschen Markt und den Standort Wilhelmshaven geplant und maßgeschneidert konzipiert. Die FSRU stellt die Kernanlage des künftigen Terminals dar und ermöglicht die Anlandung, Speicherung und Wiederverdampfung des flüssigen, auf -163°C gekühlten LNG für den deutschen Markt. Sie wird unweit von Wilhelmshaven in der Außenjade positioniert und ankommende LNG-Tanker dort abfertigen. Das wiederverdampfte Gas wird dann aus der FSRU über eine kurze Verbindungsleitung in die Hafenanlagen gepumpt und von dort ins deutsche Gasfernleitungsnetz eingespeist. Die Errichtung aufwändiger Wiederverdampfungs-Anlagen an Land ist dadurch entbehrlich. Durch diese optimierte Planung wird die Umwelteinwirkung sowohl an Land als auch auf dem Meeresgrund minimiert und ein bei den Umweltuntersuchungen identifiziertes Biotop umgangen, teilte LTW jetzt mit.


Uniper-Vorstand und Chief Operating Officer David Bryson erklärte hierzu: „Die Vereinbarung zum Bau und Charter dieser FSRU ist für beide Seiten ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Realisierung eines LNG-Terminals in Wilhelmshaven und unterstreicht den gemeinsamen Willen zur Kooperation bei diesem ehrgeizigen Projekt. Wir knüpfen mit der neuen Vereinbarung an die erfolgreiche und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit MOL bei früheren großen Projekten im LNG-Schiffsmarkt an. Das LNG-Terminal-Projekt in Wilhelmshaven ist langfristig angelegt und folgt der Logik, dass der Bedarf an importiertem Erdgas auf den deutschen und europäischen Energiemärkten über die Jahre deutlich steigen wird. Auf Basis der langjährigen Uniper-Erfahrungen im europäischen Gasgeschäft und Projektmanagement treibt LTW das Terminal-Projekt in Wilhelmshaven voran, um Unternehmen aus aller Welt einen optimalen Zugang zu den Kunden in Europa zu verschaffen – und umgekehrt den Kunden einen neuen Bezugsweg zu erschließen.“


MOL Executive Officer Hiroyuki Nakano: „Wir freuen uns über diesen wichtigen Schritt zur Realisierung des ersten LNG-Terminal-Projekts in Deutschland. Unsere schwimmende Speicher- und Wiederverdampfungsanlage (FSRU) mit einer Speicherkapazität von rund 263.000 m3 ist einzigartig und maßgeschneidert, um alle Kundenanforderungen an den wirtschaftlichen Betrieb einer Wiederverdampfungs-Anlage und die Einhaltung aller deutschen Umweltvorschriften zu erfüllen. Von diesem besonderen Moment an besteht unser Auftrag darin, das Projekt umzusetzen und die Anlage termingerecht und innerhalb des Budgets zu liefern. MOL hat sein globales FSRU-Geschäft in den letzten Jahren ausgebaut. Wir sind zuversichtlich, dass unsere operativen und technischen Erfahrungen das Projekt in Deutschland voranbringen und LTW einen reibungslosen, sicheren und effizienten Service bieten werden.“ Wilhelmshaven ist der einzige deutsche Tiefseehafen und bietet eine optimale Infrastruktur für die Anlandung von LNG-Tankern aller Größenordnungen. Die oft mehrere hundert Meter langen LNG-Schiffe können hier ohne Probleme anlanden und wenden. Damit entfällt zeitraubendes Manövrieren, was einen erheblichen wirtschaftlichen Vorteil im Vergleich zu anderen Häfen bedeutet. Aufgrund seiner Nähe zum deutschen Ferngasleitungsnetz sowie zu wichtigen Erdgasspeichern ist die gaswirtschaftliche Systemintegration vergleichsweise einfach und kosteneffizient. U.a. aus diesen Gründen hatte sich Uniper entschieden, an diesem Standort das Projekt eines schwimmenden LNG-Terminals für Deutschland voranzutreiben und Partnerfirmen zu gewinnen.


Voraussichtlich im Sommer dieses Jahres soll ein wettbewerblicher Ausschreibungs-Prozess durchgeführt werden, um das verbindlich geäußerte Interesse potentieller Kunden zu prüfen. Nach Abschluss der Genehmigungsverfahren für das Projekt wird unter der Voraussetzung der Wirtschaftlichkeit die finale Investitionsentscheidung getroffen.


Der Markt für LNG hat sich in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt. Trotz des Zubaus von LNG-Terminals in Europa in den vergangenen Jahren ist ein weiterer Ausbau aufgrund der deutlich zurückgehenden Eigenproduktion von Erdgas in Europa gaswirtschaftlich sinnvoll und notwendig, auch um durch den sicheren Einsatz von Erdgas die Energiewende in Europa zu unterstützen und den Import von Bio-LNG zu ermöglichen. Seit 2018 sind LNG-Kapazitäten immer stärker ausgelastet, denn LNG ist preislich wettbewerbsfähiger geworden gegenüber Gaslieferungen durch Pipelines.


Aktuell werden in Deutschland weitere LNG-Umschlaganlagen geplant, neben Wilhelmshaven auch in Stade, Brunsbüttel und Rostock. Gerade für die Wilhelmshavener Hafenwirtschaft ist das LNG-Projekt von entscheidender Bedeutung für den Standort.


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