• Christian Eckardt

Niederländische Reederei startet Expeditionskreuzfahrt erstmalig von Bremerhaven aus


Foto: Oceanwide Expeditions

Neubau „Janssonius“ nimmt im Sommer 2022 Kurs auf Spitzbergen

Noch ist das Polar-Expeditionskreuzfahrtschiff „Janssonius“ auf der kroatischen Brodosplit Werft im Bau und erst vor kurzem vom Stapel gelaufen, doch in einem Jahr soll das Schiff der niederländischen Oceanwide Expeditions von Bremerhaven aus zur ersten Arktis-Reise aufbrechen. Dabei handelt es sich zudem um die erste Abfahrt dieser Reederei von einem deutschen Hafen aus. Derzeit gehören drei eisverstärkte Expeditionskreuzfahrtschiffe zu dem Unternehmen, darunter ist auch das baugleiche Schwesterschiff der „Janssonius“, die „Hondius“.


Die beiden baugleichen, für Polarreisen maßgeschneiderten 108,6 Meter langen und 17,6 Meter breiten Schiffe zeichnen sich durch maximierte Sicherheit und Geschwindigkeit bei einem minimierten ökologischen Fußabdruck aus. Durch LED-Beleuchtung, biologisch abbaubare Farben und Schmiermittel, Abwärmenutzung und flexible Power-Managementsysteme sollen der Brennstoffverbrauch und die CO2-Emissionen bei den Schiffen extrem niedrig gehalten werden. Der Neubau mit einer Vermessung von 6600 wird nach den Vorschriften von Lloyd’s Register für die Polar Class 6 erstellt. Der Hauptantrieb erfolgt über zwei 4260 kW leistende ABC-Dieselmotoren vom Typs 120ZC, die Reisegeschwindigkeit wird 15 Knoten betragen. Weiterhin gehören zur technischen Ausrüstung des Schiffes Bug- und Heckstrahler und Stabilisatoren. An Bord gibt es neben einer Observation-Lounge mit angeschlossener Bar auf Deck vier auch ein Restaurant sowie einen separaten Vortragsraum. Auf Deck 3 erfolgt über zwei separate Gangways eine schnelle Einschiffung in die am Heck mitgeführten Zodiacs und Kanus für Erkundungen der arktischen Regionen. Die Einschiffung wird zusätzlich durch Indoor-Plattformen auf Höhe der Wasserlinie verbessert und beschleunigt.

Die „Janssonius“ wird Platz für 194 Passagiere in 82 verschieden großen Außenkabinen zwischen 16 und 33 Quadratmeter, davon sechs Suiten mit Balkon und mehrere Suiten mit bodentiefen Fenstern, bieten. Die Crew besteht aus maximal 78 Personen. Ob auf der in Bremerhaven startenden Reise dann auch wirklich alle Plätze belegt sein werden, hängt sicherlich auch von dem weiteren Verlauf und den Auswirkungen der weltweiten Corona-Pandemie ab.

Am 28. Juni startet die Reise als „Arctic Ocean Expediton“ mit der „Janssonius“ wahlweise von Bremerhaven oder zwei Tage früher vom niederländischen Hafen Vlissingen über den Nordatlantik in den Arktischen Ozean. Dabei steuert das Schiff auf der Reise Fair Isle, Jan Mayen und die arktische Eiskante an. Die Reise endet am 7. Juni im Hafen von Longyearbyen auf Spitzbergen. Die Reederei verweist darauf, dass diese Reise bilingual geführt wird (Deutsch – Englisch) und die Teilnahmen an einigen Workshops an Bord, so „Stimmen und Gesänge der Wale und Robben“ kostenlos ist. Falls Gäste das Spitzbergen Abenteuer verlängern möchten, dann können diese noch eine 7-Nächte-Anschlussreise Nordpitzbergen „Auf der Suche nach Eisbären & Packeis & Meeresvögeln“ dazu buchen, wodurch bei einer Kombination der beiden zusammenhängenden Reisen ein Preisnachlass von 10% buchbar ist.



Das Columbus Cruise Center Bremerhaven (CCCB) zeigt sich erfreut über den Neukunden und den Start der Reise von der Bremerhavener Columbuskaje. So erklärte CCCB-Geschäftsführer Veit Hürdler: „Bei uns ist jeder Neukunde willkommen. Zudem ergibt sich vielleicht daraus ein längerfristiges Engagement.“



Stapellauf der "Janssonius" in Split am 11.3.2021, Foto Brodosplit-Werft

Nach der Ablieferung der „Janssonius“ von der kroatischen Brodosplit-Werft im November wird das Schiff zunächst in die erste Antarktis-Saison starten. Benannt wurde das Schiff nach dem niederländischen Kartographen Jan Janssonius aus dem 17. Jahrhundert, der ein Schwiegersohn des flämischen Kartographen Jodocus Hondius war, dem Namen des vor zwei Jahren abgelieferten Schwesterschiffes „Hondius“. Der Wert der beiden Schiffe liegt bei über 100 Millionen Euro. Seit vergangen Jahr hält der niederländische Finanzinvestor Bolster Investment Partners eine Minderheitsbeteiligung von 25 Prozent an dem auf Expeditionskreuzfahrten in die Arktis und Antarktis spezialisierten Unternehmen, das 1993 von Vater und Sohn, Wijnand und Michel van Gessel in Vlissingen gegründete wurde. Neben der „Hondius“ und zwei älteren Polar-Kreuzfahrtschiffen, der „Plancius” und der “Ortelius” (jeweils 116 Passagiere) verfügt das Unternehmen auch über zwei Segelschiffe, die “Rembrandt van Rijn” (33 Passagiere) und die “Noorderlicht” (20 Passagiere) die ebenfalls in arktischen Gewässern zum Einsatz kommen. Das Unternehmen wurde schon früh von den mutigsten Weltentdeckern und berühmten Polarforschern inspiriert. Die Entdeckungsreisen der namhaften Forscher wären nie möglich gewesen, ohne die Landkarten der schaffenden niederländisch-flämischen Kartographen des 16. und 17. Jahrhunderts, wie Petrus Plancius und Abraham Ortelius, wonach die aktuellen Kreuzfahrtschiffe von Oceanwide benannt wurden.

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