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  • AutorenbildChristian Eckardt

Rückbau der fast 100 Jahre alten Leuchtbake Langlütjen-Nordsteert erfolgreich beendet



Förderverein aus Rügen übernimmt historisch wertvolles Seezeichen


Rund 22 Flusskilometer nördlich von Bremerhaven entfernt stand bis vor kurzem die gelbe, rund 8 Meter hohe und denkmalgeschützte Leuchtbake Langlütjen-Nordsteert nordwestlich der Fahrwassertonne 37, die bis in die 90er Jahre als Quermarkenfeuer aktiv war. Diese zeigte am Nordende der künstlich angelegten Wattinsel Langlütjen den Abzweig zum Fahrwasser Kutterhafen Fedderwardersiel an.





Die 1929 in Fürstenwalde an der Spree erbaute Leuchtbake, die ursprünglich einen roten Anstrich hatte, von 1953 bis 1981 schwarz war und erst danach den aktuellen gelben Anstrich erhielt, wurde schon im April 2001 durch Löschen des Feuers außer Betrieb genommen. Um nicht mit einem aktiven Leuchtzeichen verwechselt zu werden, müssen die Alleinstellungsmerkmale (Höhe, Form, markante Farbgebung, Lichtsignal) bei derartigen Bauteilen entlang des Fahrwassers der Weser stark abgeändert werden, um die Sicherheit der Schifffahrt nicht zu gefährden. Nur das Löschen des Feuers ist hierfür nicht ausreichend. Somit hatte sich das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser-Jade-Nordsee (WSA WJN) für den kompletten Rückbau entschieden. Die Rückbauarbeiten des Bauwerkes erfolgten nun Anfang Oktober mit Hilfe des BVT-Schwimmkrans „BHV-Athlet“.


Wie das WSA jetzt mitteilte, wurde zuerst das gelbe Kopfteil, bestehend aus Gaskessel und Laternenraum, von den als Dreibein zusammenlaufenden Stahlbetonsäulen, getrennt und auf die Lagerfläche des Schwimmkran abgesetzt. Die drei jeweils rd. 8,20 Meter langen Stahlbetonsäulen standen auf einer rund 12 Meter langen Holzpfahlgründung und wurden dann bei Niedrigwasser in den Morgenstunden kurz über den Leitdamm getrennt. Nach Abschluss der Rückbauarbeiten vor Ort verholte der Schwimmkran dann zum WSA-Tonnenhof in Bremerhaven, wo das gelbe Kopfteil und die drei Stahlbetonsäulen nun für kurze Zeit einen neuen Eigentümer zwischengelagert werden.


Denn bei dem Seezeichen handelt es sich um einen historisch wertvollen Bestandteil der Seezeichengeschichte, wurde es doch seinerzeit von der Julius Pintsch AG hergestellt, eines der bedeutendsten deutschen Unternehmen auf dem Gebiet des Beleuchtungswesens. Der Name Pintsch des Berliner Klempnermeisters Julius Pintsch ist seit über 150 Jahre eng mit der Beleuchtung der Küsten und Wasserstraßen verbunden, denn ein wichtiger Produktionszweig waren mit Gaslicht beleuchtete Bojen. 1877 wurde die erste Pintsch-Leuchtboje mit Gaslicht in der Kronstädter Bucht vor St. Petersburg ausgelegt. Im Jahr 1908 gab es schon 2396 sogenannte „Pintsch-Bojen“ an den Küsten und Wasserstraßen aller Weltmeere. Auch der Suezkanal wurde erstmals mit 105 Pintsch-Bojen gesichert, sodass die Durchfahrt auch nachts möglich war.


Bereits im letzten Jahr sind die Tourismusgesellschaft Kap Arkona mbH auf Rügen und der Förderverein Kap Arkona e.V. an das WSA WJN herangetreten, um den Erhalt der historisch wertvollen Leuchtbake als Ausstellungsstück auf dem Gelände des Flächendenkmals Kap Arkona sicherzustellen. Dieser wird nun Anfang November die Leuchtbake mit einem Tieflader abholen und das wertvolle Seezeichen auf dem 600 Kilometer langen Landweg nach Rügen schicken. Wie ein Mitglied des Fördervereins mitteilte, wird der Turm dort nach einer Reinigung und einer neuen Konservierung im Frühjahr auf ein Fundament gesetzt und erhält dann wieder einen neuen gelben Anstrich. Auch das schon ausgebaute Leuchtmittel wird wieder eingebaut, damit dieses Seezeichen dann dort voll funktionstüchtig besichtigt werden kann.


Denkmalbegründung:

Das Leuchtfeuer Langlütjennoordsteert hat eine geschichtliche Bedeutung für die Landesgeschichte und aufgrund seines Zeugnis- und Schauwertes als beispielhaftes Leuchtfeuer der 1920er Jahre und für die Geschichte der Seeschifffahrt sowie eine städtebauliche Bedeutung für das Landschaftsbild, daher liegt seine Erhaltung im öffentlichen Interesse.




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