• Christian Eckardt

Stürmischer Start der neuen Norwegenfähre „Romantika“ in Eemshaven


Foto: Bernd Crause


Schon mehrfach wurden in den vergangen Jahren immer wieder Fährlinien von deutschen Nordseehäfen nach Norwegen geplant. Es ist schon lange her und nur die älteren Leser können sich vermutlich noch an den Fährdienst mit der "Jupiter" von Cuxhaven nach Bergen der norwegischen Reederei Det Bergenske erinnern, die im Sommer 1976 verkehrte. Später wurde der Fährdienst von der etwas größeren "Blenheim" in den Sommermonaten fortgeführt und zum Ende der Sommersaison 1979 gänzlich eingestellt.

Foto: www.cuxhaven-fotos.de


In den folgenden Jahrzehnten gab es dann immer wieder Überlegungen, einen Fährdienst vom stillgelegten Fähranleger der Englandfähre am Nordende der Columbuskaje nach Arendal in Norwegen einzurichten, doch umgesetzt wurde dies nicht. Zuletzt gab es Überlegungen im Jahr 2019 von Nordfrost zwischen Wilhelmshaven und Norwegeneinen Fährverkehr einzurichten. Hierfür sollte das firmeneigene Hafengrundstück samt RoRo-Anlage genutzt werden und ein Schiff gechartert werden - doch umgesetzt wurde auch diese Idee nicht.

Ganz anders nur ein paar Kilometer weiter westlich, an der niederländischen Emsmündung, genauer gesagt in Eemshaven. Dort nahm am 7. April der 2020 gegründete Fährbetreiber Holland Norway Lines (HNL) aus Winsum in der Nähe von Groningen mit dem Charterschiff „Romantika“ (IMO 9237589) die Verbindung nach Kristiansand in Südnorwegen auf.

Stürmische Winde über der Nordsee verzögerten aber die erste Abfahrt auf der einzigen direkten Fährverbindung von den Niederlanden nach Norwegen.

Das im Beatrixhaven in Eemshaven liegende 192 Meter lange Fährschiff wurde noch beim Beladungszugang von heftigen Windböen erfasst und einige Festmacherleinen rissen sich dadurch los. Glücklicherweise lagen schon zwei Schlepper der Reederei Wagenborg parat, die dann unverzüglich das Schiff wieder an die Pier drücken konnten, so das größer Schaden verhindert werden konnte. Somit nahm das von der estnischen Tallink Grupp zunächst für drei Jahre gecharterte Fährschiff „Romantika“ mit geladenen Gästen und Medienvertretern aber auch ersten Frachtkunden erst nach Abflauen der Stürme mit über vierstündiger Verspätung Kurs auf Norwegen.

Die Überfahrt vom niederländischen Eemshaven nach Kristiansand im Süden Norwegens soll planmäßig 18 Stunden dauern, wobei drei Abfahren pro Woche je Richtung geplant sind.

Das Fährschiff „Romantika“ verkehrte bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie auf der Route Riga – Stockholm. Nach mehrmonatiger Aufliegezeit verholte das Schiff Anfang März vom estnischen Hafen Tallinn nach Naantali in Finnland, wo auf der Turku Ship Repair Yardreguläre technische Wartung- und Klassearbeiten erfolgten.

Die 192,90 Meter lange und 29 Meter breite „Romantika“ wurde 2002 von Aker Finnyards, Rauma, gebaut und war der erste Neubau, der an Tallink geliefert wurde. Das Fährschiff verfügt über eine Passagierkapazität für 2500 Personen, die in 727 Kabinen verschiedener Kategorien untergebracht werden können. Im Ladedeck mit 1000 Spurmetern können bis zu 300 Autos oder eine entsprechende Zahl an Lastwagen befördert werden. Die bis zu 22 Knoten schnelle „Romantika“ wurde in den letzten Jahren von Tallink vornehmlich zwischen Stockholm und der lettischen Hauptstadt Riga eingesetzt. Im vergangenen Jahr stand sie für mittel- und kurzfristige Charterfahrten im Mittelmeer und in Großbritannien zur Verfügung.

Die „Romantika“ wurde im Rahmen einer Bareboat-Charter an HNL verchartert. Das bedeutet, dass HNL den Kapitän, die Mannschaft und Ausrüstung stellt sowie die Betriebskosten trägt. HNL hat Columbia Signature, einen zur Hamburger Columbia-Gruppe gehörenden Dienstleister für das Catering- und Hotelmanagement, mit an Bord geholt. „Wir sehen in der Vertragsunterzeichnung mit Columbia einen unserer wichtigsten Partner auf unserer Mission, Hollands größte Reederei für internationale Passagiere, Waren und Fracht zwischen Holland und Norwegen und eine der führenden europäischen Reedereien im Kurzstreckenseeverkehr zu werden“, erklärte kürzlich Bart Cunnen, HNL-Chef Geschäftsführer und Mitgründer. „HNL hat ein einzigartiges, modernes Kreuzfahrt-Fährkonzept entwickelt, das wir unseren gemeinsamen Gästen an Bord mit großer Begeisterung zur Verfügung stellen werden“, sagte Julia Siebert, General Manager von Columbia Signature.

Das 1641 gegründete Kristiansand liegt an der Südküste Norwegens, in Richtung des europäischen Festlandes, und ist auf drei Seiten von Wasser umgeben. Obwohl das ganze Stadtzentrum nur einen Quadratkilometer groß ist, hat Kristiansand rund 112.000 Einwohner und ist damit Norwegens fünftgrößte Stadt und ist heute ein modernes Handels-, Kultur- und Kommunikationszentrum.

Der Fährverkehr von HNL von Eemshaven nach Norwegen ist einerseits auf den Frachtverkehr, aber auch gerade in den Sommermonaten auf den touristischen Verkehr ausgerichtet. Die Hafenstadt Kristiansand ist über Europastraßen direkt mit Oslo und Stavanger verbunden und somit der ideale Startpunkt für Reisen in die südlichen Fjordregionen des Landes. Das Fährterminal in Kristiansand liegt direkt im Zentrum, das Stadtzentrum lässt sich von hier aus, während der sechsstündigen Liegezeit bequem zu Fuß erreichen. Ein Bummel durch die Altstadt Posebyen führt vorbei an weißen Holzhäusern, kleinen Läden und Restaurants. Zudem findet sich in Kristiansand der größte Zoo Norwegens, in dem man auf Löwen, Tiger und Affen trifft. Auch ein Vergnügungspark ist in der Stadt vorhanden.

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