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  • AutorenbildChristian Eckardt

Zwei weitere chinesische Autofrachter nehmen auf Jungfernreisen Kurs auf norddeutsche Häfen




In den vergangenen Tagen besuchten gleich in kurzen Abständen zwei weitere chinesische Autotransporter auf ihren Jungfernreisen mehrere norddeutsche Seehäfen zur Ladungslöschung bzw. Ladungsübernahme.



Den Anfang machte die „Jiuyang Blossom“ (IMO 931847), die zunächst am BLG-Autoterminal im Nordhafen in Bremerhaven gelöscht wurde. Angaben über das Ladevolumen liegen hierzu nicht vor. Anschließend verholte der Autofrachter zur Ladungsübernahme weiter nach Emden. An der dortigen Emspier wurden Fahrzeuge aus dem Hause Volkswagen für die Weiterfahrt nach Südamerika übernommen. Bei der „Jiuyang Blossom“ handelt es sich um den zweiten Autofrachter der in Peking ansässigen Beijing Changjiu Logistics Corp, ein führendes Logistikunternehmen in China, das sich auf den Transport und die Lagerung von Gütern spezialisiert hat. Das Unternehmen wurde im Jahr 2002 gegründet und hat seitdem eine starke Präsenz in der Branche aufgebaut.


Der 199,9 Meter lange Autofrachter „Jiuyang Blossom“ wurde erst im vergangen Jahr von der norwegischen Reederei Höegh Autoliners für rund 63 Millionen US-Dollar erworben. Hierbei handelt es sich um die im Jahr 2007 in Kroatien bei Uljanik erbaute „Höegh Bangkok“. Nach der Übergabe im Herbst 2023 erfolgte am 4. Dezember in Shanghai die zweite Taufe des bis zu 6.500 PKW fassenden Frachters, der nun für diverse chinesische Automobilhersteller zur Verfügung steht.



Mit der „Saic Anji Sincerity“ (IMO 9973377) stellte sich dann am vergangen Wochenende ein weiterer großer Player aus dem Reich der Mitte in Deutschland vor.  Nach einem kurzen Aufenthalt am Europakai in Cuxhaven nahm der 199,9 Meter lange und 38 Meter breite LNG-Autofrachter-Neubau der Saic-Gruppe, ein großer chinesischer Autohersteller, auf seiner Jungfernreise am Samstag Kurs von der Elbmündung an die Weser, wo dann nach Auskunft einer BLG-Pressesprecherin nur noch eine Restladung von ca. 80 Pkw, 16 Bussen sowie Stückgut entladen wurde. Beladen wurde das Schiff dann anschließend für die Rückreise nach Asien mit einer nicht näher benannten Anzahl von deutschen Export-Neufahrzeugen.


Bei der „Saic Anju Sincerity“ handelt es sich nach Reedereiangaben um den aktuell weltweit größten LNG-betriebenen Autotransporter. Der von CSSC Jiangnan Shipyard gebaute, unter Liberia-Flagge fahrende Frachter hat auf den 13 Ladedecks eine Kapazität von 7600 CEU (Car Equivalent Units). Die Tochtergesellschaft der SAIC-Gruppe, SAIC Anji Shipping, ist für den Betrieb des Schiffes auf internationalen Routen verantwortlich



Auf seiner derzeitigen Jungfernfahrt nach Europa transportierte der Neubau über 5000 verschiedene Fahrzeuge, darunter die MG- und Maxus-Modelle von SAIC sowie Fahrzeuge von Dongfeng Motor und Yutong.  Allein im Hafengebiet von Dongdu in Xiamen wurden für diese Jungfernreise mehr als 3700 Autos verladen. Am Mittwoch, 24. Januar, starte dann die Jungfernfahrt von China mit Kurs auf Europa. Größtenteils wurden die chinesischen Fahrzeuge aber schon bei verschiedenen Hafenanläufen im Mittelmeer in den vergangenen Wochen gelöscht. Saic Anji Logistics plant, seine Ro-Ro-Flotte in den kommenden drei Jahren mit einer Gesamtinvestition von 10 Milliarden Yuan (rund 1,4 Milliarden US-Dollar) um 14 Schiffe zu erweitern. Chinesische Wirtschaftsforscher wie Chen Jia von der chinesischen Renmin-Universität gehen davon aus, dass die Schiffsflotten chinesischer Autohersteller nun bereit sind, das langjährige Monopol ausländischer Schifffahrtsunternehmen auf wichtigen Routen und Märkten zu brechen und somit eine solide Grundlage für die globale Entwicklung chinesischer Autohersteller legen. Der Ausbau der chinesischen Seeflotte wird auch durch das schnelle Wachstum des Überseegeschäfts von SAIC vorangetrieben, das im Jahr 2023 mit dem Export von 1,21 Millionen Einheiten einen Rekord aufstellte, ein Anstieg von 18,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der erste, für den globalen Markt erbaute PKW von SAIC, der relativ günstige MG4 EV, hat sich mittlerweile zum meistverkauften kompakten Elektrofahrzeug in Europa entwickelt.


Die bekannte Automarke MG, bis 2005 im Besitz der britischen MG Rover Group, erzielte im Jahr 2023 einen weltweiten Absatz von mehr als 840.000 Einheiten und sicherte sich damit zum fünften Mal in Folge den Titel der meistverkauften chinesischen Marke im Ausland. Dieses Jahr markiert das 100-jährige Jubiläum von MG und das erklärte Ziel ist es, weltweit eine Million Verkäufe zu erzielen.


Bremerhaven profitiert von Entwicklung


Neben weiteren Häfen im Benelux-Raum wird auch Bremerhaven als Importhafen für chinesische Automobilhersteller eine wichtige Rolle spielen. Zwar wurden im vergangenen Jahr nur etwa 10.000 Fahrzeuge chinesischer Hersteller am BLG Autoterminal umgeschlagen, informierte kürzlich BLG-Sprecherin Julia Wagner, doch die Tendenz sei steigend. So löschte SAIC schon seit 2020 hier mehrfach chinesische Elektroautos. Zuletzt lag am BLG-Autoterminal im Februar der chinesische Neubau „BYD Explorer No.1“ von BYD Motors der im Nordhafen auf einen Schlag 3.000 Neuwagen in Bremerhaven entladen hatte.



„Europa, insbesondere Deutschland, ist für die chinesischen Hersteller ein relevanter Zielmarkt. Mittlerweile planen alle namhaften chinesischen Hersteller ihren Markteintritt oder den Ausbau ihrer Marktanteile in Europa. Für einen Umschlaghafen wie Bremerhaven sind diese zusätzlichen Warenströme wichtig. Für die chinesischen Hersteller ist Bremerhaven als Eintrittshafen in den europäischen Markt von großer Bedeutung“, erläuterte Wagner, die von intensiven Gesprächen bei der BLG mit den chinesischen Produzenten berichtet.

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