• Christian Eckardt

Bremerhavener Oberbürgermeister fordert Entscheidung zum Bau der „Polarstern 2“


Nicht nur in Zeiten der Corona-Pandemie ist es für den Bremerhavener Oberbürgermeister Melf Grantz dringend notwendig, zu einer Entscheidung zum Bau der Polarstern 2 für das Alfred-Wegener-Institut (AWI) zu kommen. „Die Bremerhavener Lloyd Werft hat in Abstimmung mit dem AWI praktisch die fertigen Pläne für das neue Polarforschungsschiff der Bundesrepublik Deutschland in der Schublade, was fehlt, ist die Beauftragung“, kritisiert Grantz, der sich zu einem Gespräch mit der Geschäftsführung der Lloyd Werft getroffen hat. Für den Oberbürgermeister ist es völlig unverständlich, dass ein derart gewichtiges, eindeutig im nationalen Interesse stehendes Projekt unter Verweis auf wettbewerbsrechtliche Gründe der EU nicht entschieden wird. „Für die Lloyd Werft und die mit ihr verbundenen Werften in Mecklenburg-Vorpommern wäre es gerade auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, die durch die Corona-Pandemie ausgelöst wurde, von überragender Bedeutung, endlich den Auftrag durch das Bundesforschungsministerium zu bekommen. Das würde nicht nur Arbeit für die nächsten Jahre sichern, sondern auch für die zukünftige Klimaforschung der Bundesrepublik Deutschland ein wichtiges Zeiten setzen.“ Andere EU-Länder machten es vor, dass Projekte von so überragendem nationalen Interesse wie der Neubau eines Polarforschungsschiffs im eigenen Land umgesetzt werden können.

Foto Magistratspressestelle: OB Melf Grantz (2. v. lks.) bei der Führungsspitze der Lloyd Werft mit Rüdiger Pallentin, Carsten Haake und Carsten Sippel (v. lks.)



„Ich verstehe nicht, dass die zuständige Bundesforschungsministerin Anja Karliczek nicht den Mut hat, sich über die Bedenken ihrer Bürokratie hinwegzusetzen und den Bau der „Polarstern 2“ per Ministerinentscheidung gegenüber ihrer Verwaltung durchzusetzen.“ Diese Nichtenscheidung ist für Grantz umso unverständlicher, als bis zu einem Neubau, der einige Jahre dauern wird, die aktuell im MOSAIC-Programm eingesetzte Polarstern ihrerseits für den weiteren Einsatz ertüchtigt werden muss. Nach Informationen des Oberbürgermeisters unterstützen alle demokratischen Parteien im Deutschen Bundestag den Neubau der „Polarstern 2“ in Deutschland ebenso wie die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, und der Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen, Andreas Bovenschulte. „Wir brauchen dringend jetzt eine Entscheidung!“ appelliert OB Grantz an die Ministerin.


Die Ausschreibung für das neue Forschungsschiff "Polarstern II" wurde im Februar 2020 aus rechtlichen Gründen gestoppt. Denn dem Bundesforschungsministerium genügten die Ergebnisse des bisherigen Vergabeverfahrens nicht den "gegenwärtigen Anforderungen an eine langfristige, leistungsfähige und wirtschaftliche Investition in notwendige Infrastruktur." Die Ausschreibung hatte bereits 2016 begonnen und lief unter Federführung des Bundes, der Eigentümer der "Polarstern II" wird. Die in der Ausschreibung beschriebene Technik ist mittlerweile offenbar überholt. Wissenschaftler hatten mehrfach kritisiert, dass die Ausschreibung zu lange dauere. Schon jetzt liegt der Wartungsaufwand der Polarstern laut AWI bei 10 Millionen Euro im Jahr – Reparaturen häuften sich. Außerdem müsse das neue Schiff über einen besseren Rumpf verfügen, um weiter ins Eis vordringen zu können.


Die aktuelle „Polarstern" ist seit 1982 im Dienst. Auch sie gehört dem Bund, wird aber vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) betrieben und ist derzeit im Rahmen der Polarexpedition "Mosaic" am Nordpol im Einsatz. Der Reedervertrag mit diesem Schiff läuft noch bis 2024.



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