• Christian Eckardt

Defekter Haken löste vermutlich Kranunfall bei Liebherr in Rostock aus


Schwerer Unfall bei Überlasttest auf Offshore-Spezialschiff ORION


Nach ersten Erkenntnissen hielt der Kran-Haken der Belastung am vergangen Wochenende auf dem Gelände des Kranbauers Liebherr im Rostocker Überseehafen nicht stand, wie das Unternehmen jetzt mitteilte. Im Rahmen einer branchenüblichen Testreihe kam es am 2. Mai 2020 zu einem schweren Unfall. Beim Versuch, eine 5.500 Tonnen schwere Barge aus dem Wasser des Hafenbeckens B zu heben, riss aus noch ungeklärten Gründen die Hebevorrichtung und der Kranausleger schnellte über das Offhore-Spezialschiff ORION zurück in Richtung Liegeplatz und knickte ab. Trümmerteile fielen auf das Schiff und die Kaianlage. Es gab zwei schwer Verletzte, die ins Klinikum Südstadt Rostock zur weiteren Behandlung gebracht wurden, und zehn leicht Verletzte. „Angesichts des Schadensausmaßes sind wir vor allem dankbar, dass es nicht zu weiteren Personenschäden gekommen ist. Unsere Priorität liegt aktuell auf der umfassenden Unterstützung der ermittelnden Behörden, um zu einer möglichst raschen Aufklärung des Unfalls beizutragen“, erklärte Leopold Berthold, Geschäftsführer der Liebherr-MCCtec.



Zum jetzigen Zeitpunkt des Ermittlungsstandes gehen die zuständigen Behörden und Experten einhellig von einem gebrochenen Kran-Haken als Unfallursache aus. Warum der Haken der Belastung nicht standhalten konnte, ist in der aktuellen Phase der Ermittlungen noch unklar. Die Entwicklung und Herstellung des Kran-Hakens wurde von einem externen Lieferanten zugekauft. Ein Konstruktions- sowie ein Produktionsfehler des Liebherr-Krans kann somit ausgeschlossen werden. Der Überlasttest für den HLC 295000 wurde für einen Lastfall von 5.500 Tonnen ausgelegt. Der Hub hätte über das Anheben einer Barge ausgeführt werden sollen. Bei dem branchenüblichen Überlasttest wird der Kran auf seine maximale Traglast getestet. Die bislang vorliegenden Fakten deuten darauf hin, dass sich der Vorfall bei einer Belastung von rund 2.600 Tonnen ereignete und eine Kettenreaktion auslöste, die zum Unfall führte, erklärte das Unternehmen nun weiter. Der Unfall hat nach aktuellem Stand keine Auswirkungen auf den laufenden Betrieb der Liebherr-MCCtec Rostock GmbH. Ersten Einschätzungen der Polizei beläuft sich der Schaden auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag zwischen 50 bis 100 Mio. €.


Die 216 Meter lange und 49 Meter breite auf der COSCO Shipyard in China erbaute ORION gehört dem belgischen Offshore-Unternehmen Deme und wird seit Februar bei Liebherr ausgerüstet. Liebherr hatte in den vergangen Wochen auf dem Schiff den größten Offshore-Kran installiert, den das Unternehmen bislang produziert hat. Der Kran mit einem 145 Meter langen Ausleger mit der Bezeichnung HLC 295000 hat eine maximale Hubleistung von 5.000 t. Für den Bau immer größerer Windkraftanlagen sei die Hubhöhe des HLC 295000 mit bis zu 175 m von enormer Bedeutung gewesen. Hinzu komme der Trend zur Stilllegung der Offshore-Öl- und Gasanlagen, bei denen große und schwere Teile demontiert werden müssten, wo DEME auch ein Betätigungsfeld der ORION sah. Der erste Einsatz für den neuen Kran war in den nächsten Wochen im Moray-East-Windpark vor der Küste Schottlands geplant.



Die im Jahr 2002 gegründete Liebherr-MCCtec Rostock GmbH entwickelt und fertigt mit über 1.700 Mitarbeitern Schiffs-, Hafenmobil- und Offshorekrane. Außerdem zählen Reachstacker und Komponenten für Containerkrane zu dem Produktportfolio. Die direkte Anbindung des Werks an die Ostsee bietet beste logistische Voraussetzungen – vor allem für den weltweiten Vertrieb der groß dimensionierten Geräte, die Traglasten von bis zu 5.000 Tonnen aufweisen. Das Unternehmen Liebherr wurde 1949 im süddeutschen Kirchdorf an der Iller gegründet.


Der aktuelle Vorfall ist schon der zweite Unfall beim Kranbauer Liebherr in Rostock in diesem Jahr. Erst Ende Januar stürzten durch einen Fehler beim Verladen zwei Hafenmobilkrane ins Rostocker Hafenbecken, die anschließende Bergung dauerte mehrere Wochen.


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