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Einmaliger Anlauf der „Queen Mary 2“ in Bremerhaven

  • Autorenbild: Christian Eckardt
    Christian Eckardt
  • 17. Nov. 2025
  • 4 Min. Lesezeit
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Hafenwirtschaft der Stadt zieht an einem Strang um Anlauf und Landgang zu ermöglichen


Vor rund einer Woche kündigte die britische Cunard-Reederei an, dass die „Queen Mary 2“ das Flaggschiff der Reederei, die sich zu dem Zeitpunkt auf einer 12-tägigen Norwegen-Reise befand, durch einen Defekt an einer der insgesamt vier Mermaid-Antriebsgondeln am 17. November nicht Hamburg anlaufen könnte. Stattdessen hat die Reederei Bremerhaven als Alternativhafen ausgewählt.


In der Seestadt sorgte die Ankündigung für große Euphorie, war doch der im Jahr 2004 in Frankreich in Dienst gestellte Ozeanliner bislang noch nie in der Seestadt - von Anfang an konzentrierte sich die Reederei als Hamburg als Anlauf- aber auch als Einschiffungshafen für die deutschsprachigen Gäste.


Die Umroutung bedeutet für die aktuelle Reise, das rund 420 der ausschiffenden Gäste nach der Ankunft in Bremerhaven mit Shuttlebussen nach Hamburg gefahren werden, für die gleiche Anzahl an Gästen ging es dann mit dem Bus von Hamburg nach Bremerhaven zur Einschiffung.


Geplant war, dass dieser Vorgang von Bremerhaven Cruise Port an der Columbuskaje durchgeführt wird. Zudem hätten die Tagesgäste bequem vom Kreuzfahrtterminal am interen Busbahnhof zu den gebuchten Tagestouren nach Hamburg, Bremen oder auch in das ehemalige Konzentrationslager in Bergen-Belsen gefahren werden.


Doch schon gleich nach der Ankündigung gab es Ernüchterung, denn aufgrund der Schiffsgröße der 345 Meter langen und 41 Meter breiten „Queen Mary 2“ die über einen Tiefgang von mindestens 10,5 Meter verfügt stellt sich ein Problem dar. Denn an der Columbuskaje können nur Schiffe bis zu einem maximalen Tiefgang von Meter anlegen, da in Teilbereichen vor der Kaje keine ausreichende Tiefe vorhanden ist.


So begann sowohl bei der Schiffsagentur HC Röver als auch bei den Verantwortlichen vom Bremerhaven Cruise Port die Suche nach einer Alternativ-Lösung, um das Schiff dennoch in Bremerhaven abzufertigen. Es folgten unzählige Telefonate, Videokonferenzen und schlussendlich konnte in Abstimmung mit der zuständigen Hafenbehörde als auch dem Zoll eine einvernehmliche Lösung gefunden werden: Der Containerterminal-Betreiber Eurogate stellte einen Bereich der südlichen Stromkaje, dem so genannten Multifunktionskai, zur Verfügung.


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Mit behördlicher Abstimmung konnte dort die Ausschiffung der rund 420 Gäste erfolgen, die dann mit einem Shutlebus von BremerhavenBus über die Nordschleuse zum Kreuzfahrtterminal gefahren wurden. Dort erfolgte dann die zollrechtliche Einreise der Gäste und nach der Gepäckübernahme die Weiterfahrt in die bereit gestellten Shuttlebusse zum Bahnhof, Flugplatz oder nach Hamburg, wo einige Gäste ihre Fahrzeuge abgestellt hatten.


Nun gab es aber noch ein Sicherheitsproblem, für die weiteren rund 2000 Gäste an Bord, vornehmlich Amerikaner und Briten, die aus ISPS-Sicherheitsgründen auf dem Containerterminal das Schiff nicht verlassen durften, hierfür lag keine behördliche Erlaubnis vor. Im schlimmsten Fall hätten die Passagiere an Bord bleiben und auf den Landgang verzichten müssten. Doch in enger Absprache mit der britischen Reederei konnten der Hafenagent als auch das Bremhaven Cruise Port eine einmalige Lösung präsentieren: Die Gäste steigen auf der Wasserseite in ein bereit gestelltes Shuttleschiff über und werden von dort über die Weser direkt in die Havenwelten von Bremerhaven gefahren. Die Idee stieß bei der Reederei auf großes Interesse, kennt man doch Probleme in anderen Häfen mit dem Tiefgang. Jedoch konnten die eigenen Tenderboote der „Queen Mary 2“ nicht genutzt werden, da die Maschinenleistung für den Verkehr auf der Weser mit dem starken Gezeitenstrom nicht ausreicht. Zudem musste ein ausreichend großes Schiff zum Einsatz kommen, dass viele Passagiere pro Transfer transportieren kann.


In Hamburg bei der Reederei Adler-Schiffe wurde man kurzfristig fündig, die das 54 Meter lange Veranstaltungs- und Partyschiff „Koi“ betreibt und das für eine kurzfristige Buchung zur Verfügung stand.


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Am Sonntagmittag nahm die bis zu 550 Tagespassgiere fassende „Koi“ dann von Hamburg Kurs auf Bremerhaven und stand dann am frühen Montagmorgen für den Pendeldienst zwischen der „Queen Mary 2“ und der Seebäderkaje zur Verfügung. Bereits gegen 9.00 Uhr traf die „Koi“ das erste Mal an der Seebäderkaje ein und brachte die ersten 200 Gäste der „Queen“ an Land. Die Touristikgesellschaft Erlebnis Bremerhaven rechnet mit etwa 1.500 Menschen, die einen Landgang machen möchten.


„Wir freuen uns auf den spontanen Besuch der „Queen Mary 2‘ und heißen Passagiere und Crew in Bremerhaven willkommen. Wir haben uns sofort, nachdem der Anlauf bekannt wurde, an die Reederei gewandt, um unsere touristischen Attraktionen vorzustellen und haben Möglichkeiten für Landausflüge in der Stadt aufgezeigt“ so Michael Gerber, Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven GmbH: Den Landgang zu organisieren war nicht leicht, weil das Schiff am Containerterminal anlegt und damit in einem Bereich, in dem besondere Sicherheitsregeln gelten. Gerber: „Wir sind froh, dass die Terminalbetreiber, das Kreuzfahrtterminal und alle anderen Beteiligten eine Möglichkeit gefunden haben, die Passagiere in die Stadt zu bringen.“


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Am Anleger wurden die Passagiere von Scouts der Erlebnis Bremerhaven mit Informationsmaterial empfangen, und das Deutsche Auswandererhaus öffnete eigens eine Stunde früher. „Heute geht es um mehr als den Hafenbetrieb“, sagte Andreas Hugle, Leiter der Abteilung Destinationsentwicklung bei der Erlebnis Bremerhaven „Der Anlauf der „Queen Mary 2“ sei ein Signal, was alle Beteiligten in Bremerhaven gemeinsam leisten könnten.



Foto Erlebnis Bremerhaven
Foto Erlebnis Bremerhaven

Für die „Königin der Meere“ war Bremerhaven der letzte Hafen einer zwölftägigen Nordland-Kreuzfahrt. Kapitän Aseem Hashmi und seine Crew begrüßten zwischenzeitlich dann auch noch Hafenkapitän Stephan Berger und  Timo Schön, Geschäftsführer des Cruise Ports Bremerhaven zur traditionellen Plakettenübergabe im Rahmend es Erstanlaufs des Schiffes in der Seestadt. Hashmi sagte, er hoffe auf viele weitere Besuche in Bremerhaven. Die Stadt kennt er gut, mit der „Caronia“, der „Vistafjord“ und mehrmals mit der legendären „Queen Elizabeth 2“ war er bereits mehrfach Gast an der Weser.


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Am späten Montagabend nahm die „Queen Mary 2“ wieder Kurs auf die Nordsee mit dem Abschlusshafen dieser Reise, Southampton. Von dort wird dann die nächste Tranatlantikreise nach New York stattfinden, immer noch mit einer defekten Antriebsgondel. 




Übrigens ist es nicht das erste Mal, dass die “Queen Mary 2” Probleme mit den Propellergondeln, die sich von Anfang an als ausgesprochen störanfällig erwiesen. So verklage der Kreuzfahrtkonzern Carnival Corporation & plc den Hersteller Rolls- Royce im Januar 2009 auf Schadenersatz, da es immer wieder Ausfälle durch Lagerschäden gab, die für das Schwenken der Gondeln und somit zum Steuern des Schiffes verantwortlich sind. Im Januar 2011 wurde Carnival eine Entschädigung in Höhe von 24 Mio. US-Dollar zugesprochen.

 

 

 
 
 

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