Mysteriöse Schleppreise der 114 Meter-Megayacht „Luna“ in die Deutsche Bucht

Es gibt Anzeichen, dass die bei der Lloyd Werft erbaut Yacht verkauft wurde
Seit mehr als vier Jahren wurde die 114,2 Meter Exploreryacht „Luna“ (IMO 1010222) in Hamburg schon nicht mehr bewegt, unter anderem aufgrund von EU-Sanktionen gegen einen russischen Oligarchen. Doch kürzlich verlies die 2010 auf der Lloyd Werft Bremerhaven erbaute Yacht mit Schlepperhilfe die Werft Blohm + Voss in Hamburg für eine zweitägige Reise in die Deutsche Bucht.
Das Besondere an dieser Reise war, dass die Yacht die gesamte Strecke, von Hamburg bis hinter Helgoland, von zwei Schleppern der Reederei Fairplay gezogen wurde, d.h. die Yacht selbst fuhr nicht selbstständig. Zudem befanden sich keine Rettungsboote an Bord der „Luna“. Die Reise führte westlich von Helgoland, auf eine Position außerhalb der deutschen Hoheitsgewässer. Nun wird in Fachkreisen über diese einzigartige Schleppreise diskutiert und es mehren sich Anzeichen, dass sich die Yacht auf einer Verkaufsreise befand.

Denn derartige Reisen außerhalb von Hoheitsgewässern wurden in der Vergangenheit, gerade in der Yachtbranche, schon häufiger für Eigentumsübertragungen zum Beispiel aus steuerlichen Gründen genutzt. Denn bei einem Verkauf von Yachten geht es um größere Geldbeträge, so wurde die „Luna“ bis vor kurzem noch für 200 Millionen Euro angeboten.
Für einen möglichen Verkauf der „Luna“ gibt es einen weiteren Hinweis denn auf den Verkaufslisten, zum Beispiel bei Eastwind Yachts, die die Yacht noch vor einem Jahr mit 270 Millionen Euro angeboten hatte, erscheint die Yacht nicht mehr. Auch wurde zwischenzeitlich die Flagge bzw. der Heimathafen der Yacht von Hamilton auf den Bermuda Inseln auf die Marshall-Inseln geändert. Weitere Informationen sind über einen möglichen Verkauf aber nicht erhältlich.
Gebaut wurde die „Luna“ 2010 in der Bremerhavener Lloyd Werft für den des russischen Milliardär Roman Abramowitsch für geschätzte 400 Millionen Euro. Zum Zeitpunkt der Ablieferung handelte es sich bei der „Luna“ um eine der weltweit größten Exploreryachten. Für das Außendesign war das Team von Newcruise Yachts Projects aus Hamburg verantwortlich, während Donald Starkey das Innendesign zeichnete. Die Ausstattung umfasst unter anderem neun Luxuskabinen, ein Kino, einen Strandclub, einen Beautysalon, ein Fitnessstudio sowie einen Hubschrauberlandeplatz. Insgesamt bietet die bis zu 25 Knoten schnelle Yacht in neuen Kabinen Platz für 18 Gäste und bis zu 51 Besatzungsmitglieder. Die jährlichen Betriebskosten sollen laut Schätzungen bis zu 25 Millionen US-Dollar betragen.
Roman Abramowitsch verkaufte die Yacht vier Jahre später an den aserbaidschanisch-russischen Oligarchen Farkhad Akhmedow und das Schiff wurde anschließend bei der Bauwerft in Bremerhaven einer umfassenden Überholung unterzogen. Diese wurde 2016 abgeschlossen und umfasste bedeutende technische Modernisierungen, Modifikationen in den Gästebereichen und eine umfassende Neulackierung der Außenfassade.
Später wurde die „Luna“ dann Gegenstand in einem von den Medien viel beachteten Rechtsstreit zwischen Akhmedow und seiner Ex-Frau Tatjana Achmedowa. Die Yacht wurde 2018 im Zusammenhang mit einem Scheidungsverfahren in Dubai festgehalten und blieb dort mehrere Jahre, bevor sie schließlich im Oktober 2021 das Emirat verließ. Ein Berufungsgericht in Dubai hatte Farkhad Akhmedov im Jahr 2019 die Yacht wieder zugesprochen. Nach der Abreise aus Dubai kehrte die „Luna“ nach Europa zurück und unterzog sich weiteren Wartungsarbeiten bei der zur Lürssen-Werft gehörenden Werft Blohm + Voss in Hamburg.
Aufgrund von EU-Sanktionen gegenüber Russland und russischen Staatsangehörigen wurde das Schiff 2022 in Hamburg festgesetzt und kurze Zeit später durchsuchten Ermittler des Bundeskriminalamts das Schiff. Ob nun ein Verkauf der „Luna“ tatsächlich erfolgen kann hängt sicherlich auch von den rechtlichen Rahmenbedingungen zu den aktuellen Eigentumsverhältnissen und dem Vorbehalt deutscher Behörden ab.



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