• Christian Eckardt

Bund bestellt drittes Mehrzweckschiff bei Abking & Rasmussen



Neubauten sollen zwischen 2023 und 2025 in Fahrt kommen

Nach dem bereits im letzten Jahr erteilten Auftrag zum Bau von zwei neuen Mehrzweckschiffen, wurde nun, nach der Zustimmung für den zweiten Nachtragshaushalt, der Auftrag für ein drittes Spezialschiff dieser Serie durch die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS) bestellt. Alle drei neuen WSV-Schiffe werden bei Abeking & Ramsussen in Lemwerder erbaut und werden mit Flüssigerdgas (LNG) betrieben. Diese erhalten eine Spezialausstattung, wie spezielle Chemikalientanks, explosionsgeschützte Containerladeräume, Ölauffanggeräte etc., um im Falle von Havarien die notwendigen Einsätze deutlich zu verbessern. Die aktuell insgesamt vier Mehrzweckschiffe des Bundes sind rund um die Uhr im Rahmen der Maritimen Notfallvorsorge in Nord- und Ostsee im Einsatz. Bundesminister Andreas Scheuer erklärte hierzu: „Mit dem neuen Spezialschiff stärken wir die maritime Sicherheit in Nord- und Ostsee. Gleichzeitig unterstützen wir durch die schnelle Beauftragung die maritime Wirtschaft im Norden in dieser schwierigen Zeit. Mein besonderer Dank gilt den Abgeordneten des Haushaltsausschusses für ihre Unterstützung dieses wichtigen Anliegens.“


Der Auftrag zum Bau von zwei neuen Mehrzweckschiffen für die Nord- und Ostsee, der im Dezember 2019 erteilt wurde, beinhaltete auch die Option für ein drittes baugleiches Schiff. Das dritte Spezialschiff, das jetzt ebenfalls gebaut werden kann, wird damit die 22 Jahre alte „Neuwerk“, die in Cuxhaven ihren Basishafen hat, ersetzen. Die beiden anderen Neubauten ersetzen die mittlerweile 46 Jahre alte „Scharhörn (Baujahr 1974) und die im Jahr 1984 erbaute „Mellum“. Die neuen Schiffe werden ausschließlich mit Flüssigerdgas (LNG) betrieben und sind damit besonders umweltfreundlich. Die gesamte Bauabwicklung vom ersten Entwurf bis zur Fertigstellung und Übergabe der neuen Schiffe erfolgt durch die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW).


Rolls-Royce liefert Gasmotoren für neue Mehrzweckschiffe


Rolls-Royce wird für die neuen 95 Meter langen Mehrzweckschiffe den gasgeschützten Antrieb liefern. Dazu sollen die Schiffe von einem gas-elektrischen Antriebssystem mit jeweils vier 3.600 Kilowatt leistenden mittelschnelllaufenden Bergen-Gasmotoren des Typs B36:45L6AG von Rolls-Royce angetrieben werden. Das Unternehmen liefert dabei nicht nur die Motoren und Generatoren, sondern bietet dem Kunden mit einem speziell entwickelten Gasschutzsystem eine besondere Lösung. Damit sind die Motoren auch dann noch betriebsfähig, wenn beispielsweise bei einer Havarie eines Gastankers die Umgebungsluft mit explosiven Gasen kontaminiert ist. „Die Motoren verbrennen zwar Gas, doch wenn dies über die Ansaugluft unkontrolliert in den Brennraum gerät, ist der Motor nicht mehr regelbar“, erläutert Rolls-Royce-Projektleiter Christian Prinz. Bei dem von Rolls-Royce entwickelten System wird die Leistung des Motors in Relation zur Gasmenge in der Ansaugluft angepasst. Kurz: Je mehr Gas sich in der Ansaugluft des Motors befindet, desto weniger Gas wird dem Motor über die Gasregelventile zugeführt. Ist die Gasmenge zu hoch, schließen spezielle Schnellschlussklappen die Gas- und Luftzufuhr und der Motor stoppt.


„Rolls-Royce war weltweit der einzige Hersteller, der uns die termingerechte Gasschutzanpassungsentwicklung von reinen Gasmotoren auf Grund seiner langjährigen Erfahrung auf diesem Spezialgebiet zusagen und durch eine Machbarkeitsstudie belegen konnte“, erklärt Carsten-S. Wibel, Geschäftsführer der Abeking & Rasmussen Special Vessels GmbH. Im Einsatzfall werden die neuen, über 15 Knoten schnellen Schiffe spätestens innerhalb von zwei Stunden am Unfallort sein. Ausgestattet mit Notschleppeinrichtungen mit einem Pfahlzug von 145 Tonnen, Chemikalientanks, einem explosionsgeschützten Sicherheits- und Containerladeraum sowie Ölaufnahmegeräte wie Skimmer, Ölsammeltanks und ein Separationsraum sind sie für schwierigste Einsätze gewappnet. Nicht nur die Motoren, auch das gesamte Schiff ist mit einem Gasschutzsystem ausgestattet. Fährt es in eine gefährliche Zone, in der zündfähige oder gesundheitsgefährdende Stoffe in der Luft sind, muss die Besatzung das Schiff auf den Gasschutzbetrieb umschalten, das heißt, Fenster und Türen gasdicht verschließen. Somit entsteht eine Zitadelle, in die saubere Luft gepumpt wird. Leichter Überdruck sorgt dafür, dass keine schädliche Luft in die Zitadelle gelangt.


Dass bei diesem Projekt Gasmotoren zum Einsatz kommen, liegt an einer Vorgabe der deutschen Bundesregierung, den CO2-Ausstoß bei Behördenschiffen massiv zu verringern. Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, erklärte kürzlich hierzu: „Mit den neuen Erdgas betriebenen und mit dem Umweltzertifikat Blauer Engel ausgezeichneten Schiffen garantieren wir gleichzeitig einen hohen Sicherheits- und Umweltstandard für den anspruchsvollen Betrieb der Schiffe.“ Das erste der neuen Spezialschiffe wird 2023 den Betrieb aufnehmen, das zweite ein Jahr später und das dritte Schiff im Jahr 2025.

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