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BVT Chartering ergänzt Flotte mit weiterem Schwerlastponton

Autorenbild: Christian Eckardt
Christian Eckardt
vor 13 Stunden
4 Min. Lesezeit

Norwegische Landwirtschaftsministerin taufte vor rund 10 Jahren den Ponton „Fröya US 120“


Aus Norwegen kommend erreichte zum Anfang der Woche der dänische Schlepper „Hunter“ mit einem 91,5 Meter langen und 28 Meter breiten Schwerlastponton nach einer einwöchigen Überführungsfahrt den Bremerhavener Fischereihafen. Neuer Eigner des Pontons ist das zur Bremerhavener Rönner-Gruppe gehörende Unternehmen BVT Chartering. Erbaut wurde dieser Ponton für die Offshoreindustrie vor rund 50 Jahren, die Kiellegung fand im Oktober 1975 bei Hancocks Shipbuilding Co, Pembroke Dock, Wales statt. Die „Fröya US 120“ wird in den nächsten acht Wochen umfangreich in eine Arbeitsplattform für Wasserbauarbeiten umgebaut. Schon gleich nach der Ankunft waren BVT-Mitarbeiter an Bord beschäftigt, die alte RoRo-Rampe aber auch ein aus Containern errichtetes Werkstattgebäude von dem Ponton zu entfernen.


Wie der zuständige Projektleiter, Arndt Lohner erläuterte soll der Ponton, der über eine Tragfähigkeit von 9.261 Tonnen verfügt, zukünftig mit einer Binnengewässerzulassung für Wasserbauarbeiten an entsprechende Fachunternehmen verchartert werden. Hierzu müssen in den kommenden Wochen noch umfangreiche Sanierungsarbeiten durchgeführt werden. Dazu gehört auch die Installation von zwei Ankerpfählen, mit denen sich der Ponton dann zukünftig gegen eine Verschiebung im Gewässer sichert. Zudem werden die Ballastwassertanks saniert und die Außenhaut während einer Dockliegezeit neu konserviert und mit einem blauen Schutzanstrich versehen. Die Plattform selbst wird dann noch mit entsprechenden Baggermatten, gegen die Beschädigung der Schiffsstruktur durch die schweren Ketten der Baumaschinen, ausgestattet. Als „BHV Construction“ soll der Ponton dann so schnell wie möglich für Charterkunden zur Verfügung stehen, wie Lohner erklärte.


Derzeit besteht ein großer Bedarf an schwerlastfähigen Arbeitspontons im Bereich der Wasserbauunternehmen für Einsätze im Hafenbau und bei der Kajensanierung, für Baggerarbeiten aber auch bei Hochbauarbeiten wie zum Beispiel Brückenbau. Doch wie Arndt Lohner erläuterte sind auf dem Gebrauchtmarkt in Nordeuropa derzeit kaum entsprechende Angebote vorhanden. Viele einsatzfähige Geräte liegen im arabischen Raum fest, lassen sich aber aufgrund der dortigen Krisensituation in der Straße von Hormus aber auch am Roten Meer nicht verschiffen. Auch in China liegen einige brauchbare Schwerlastpontons zum Verkauf. Doch der lange Transportweg, rund um das Kap der Guten Hoffnung, sorgt dafür, dass diese nicht kurzfristig zur Verfügung stehen.


Die „Fröya US120“ hat Lohner im Osterfjorden, nördlich von Bergen gefunden. Dort wurde der ursprünglich aus Dänemark stammende Ponton in den letzten Jahren bei einem Steinbruch als Verladeponton genutzt, Granitreste kann man noch jetzt auf dem Ponton erkennen. Davor wurde der Ponton als neuartiger Verladeponton für geschlagene Baumstämme genutzt. Dieses Verfahren hatte vor rund 10 Jahren in Norwegen in der Holzwirtschaft für viel Aufsehen gesorgt.


Das 2013 gegründete Unternehmen Energihogst AS aus Austevoll hatte den Ponton mit einem alten Deckshaus für die Unterbringung von bis zu 18 Forstarbeitern und einer RoRo-Rampe nachgerüstet und zu einer schwimmenden „Forstplattform“ entlang der norwegischen Westküste eingesetzt. An Bord standen Lagerkapazitäten für bis zu 10.000 Kubikmeter frisch geschlagenes Holz zur Verfügung, welches anschließend von dem Ponton direkt auf Seeschiffe verladen wurde. Ziel war es, lange Transportwege aus den Wäldern, mit zum Teil schlechter Straßenanbindung, auf kürzestem Weg in Richtung Fjord zu transportieren. Denn durch die zum Teil sehr langen Transportwege rentierte sich der Holzeinschlag in vielen Regionen nicht.

Foto: Energiehogst
Foto: Energiehogst

Die Idee war seinerzeit so innovativ, dass die Taufe der Forstplattform auf den Namen „Frøya US102“ im November 2015 durch die damalige norwegische Landwirtschaftsministerin Sylvi Listhaug erfolgte.


Ole Andres Aunet, Gründer und Geschäftsführer von Energihogst erklärte seinerzeit, dass es sehr schwierig sei, entlang der zerklüfteten norwegischen Küste, frisches Holz aus den Wäldern zu entnehmen. „Wir waren frustriert über den Mangel an verfügbaren Kaianlagen, was zu langen Lkw-Fahrten über ein eher schlechtes Straßennetz führte. Somit kam die Idee für den Verladeponton. Wir hatten das Glück, in Dänemark eine gebrauchte Plattformerwerben zu können, und haben diese mit Einrichtungen wie einer Wohnkabine für die Besatzung, einer langen Laderampe und Winden ausgestattet. Zudem führen wir einen Holztransporter, einen Bagger, einen Harvester und einen Traktor auf der Plattform mit. Natürlich gibt es auch andere Lastkähne für den Holztransport, aber unseres Wissens nach gibt es keinen weiteren – weder in Norwegen noch in Europa –, der so groß ist und nach demselben Prinzip arbeitet wie unserer“, sagte Aunet.

Dieser Ponton sollte somit zur Senkung der Holzerntekosten an der Küste führen, da der Holztransport per Lkw etwa zehnmal teurer ist als per Schiff. Entscheidend ist dabei die Wahl der richtigen Verladestandorte, da die Fichtenwälder in Westnorwegen durchschnittlich 5 bis 6 km vom Meer entfernt liegen. Wenn die Arbeitsabläufe nah am Wald angesiedelt sind, so war die Idee, sind nur sehr kurze Transportwegen notwendig, während die Konkurrenz oft Dutzende von Kilometern bis zum Verladeplatz zurücklegen muss, erklärte seinerzeit Helge Kårstad aus einer norwegischen, branchenübergreifenden Interessenvertretung.

Ole Andres Aunet zeigte sich 2015 bei der Vorstellung seiner neuen Forstplattform noch sehr optimistisch, „Der Markt ist sehr schwierig, aber wir blicken positiv in die Zukunft und empfinden dies als eine spannende Zeit“, sagt er. Doch leider war das Konzept in Norwegen nicht von Erfolg gekrönt, denn schon 2020 wurde das Unternehmen aus dem Handelsregister gestrichen und der Ponton „Fröya US120“ ging an ein Steinbruchunternehmen in der Nähe von Bergen.

 

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