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  • AutorenbildChristian Eckardt

Ehemaliges Bremerhavener „Schwimmdock V“ erreicht unbeschadet Jamaika


Foto Maritime Authority of Jamaica (MAJ)

Bis zum Jahresende soll es unter neuen Namen „JAM-Dock 1“ in der Karibik in Betrieb gehen Rechtzeitig vor den ersten aufziehenden Hurrikans in den karibischen Gewässern erreichte der 75 Meter lange Hochseeschlepper „Titan“ (IMO 9158666) nach einer siebenwöchigen und rund 5.000 Seemeilen Überführungsreise mit dem „Schwimmdock V“ aus Bremerhaven den Hafen von Kingston in Jamaika. Der Anfang Juli in der Seestadt gestartete Schleppzug legte am 27. Juli auf der Kanaren-Insel Gran Canaria einen Bunkerstopp ein, anschließend ging es mit westlichen Kurs über den Atlantik in Richtung Karibik.

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German Ship Repair Jamaica Limited (GSRJ), ein deutsch-türkisch-jamaikanisches Joint Venture, hatte Anfang des Jahres das „Schwimmdock V“ von der Petram-Gruppe in Bremerhaven erworben, das zuvor einige Jahre von Bredo Dry Docks in der Betriebsstätte Barkhausenstraße im Kaiserhafen I genutzt wurde. Bis zum Jahresende soll das Schwimmdock in seinem neuen karibischen Heimathafen Kingston unter dem neuen Namen „JAM-Dock 1“ in Betrieb gehen. Mit einer Länge von 215 Metern, einer Breite von 35 Metern, sowie einer Hebefähigkeit von 20.000 Tonnen hat es ideale Maße für den zukünftigen Einsatz in Jamaika. Die Werft eröffnet einen neuen Industriezweig, zudem werde es weitere Dienstleistungen nach sich ziehen, heißt es. Um den Bedarf an lokalen Arbeitskräften zu decken, hat GSRJ mit der Regierung ein Duales Ausbildungsmodell entwickelt.

Hinter dem Dockprojekt steht vor allem auch der Bremer Reeder und Honorarkonsul von Jamaika, Peter Harren, der eine langjährige Verbindung in den Inselstaat hat und der sowohl bei der Abfahrt in Bremerhaven als auch jetzt bei der Ankunft des Schleppzuges in Jamaica vor Ort war. Aus geschäftlichen Aktivitäten entstand eine Partnerschaft, die den Aufbau der Caribbean Maritime University unterstützte und so jamaikanischen Kadetten Praxiserfahrung auf See und eine internationale Karriere in der Seefahrt ermöglichte. Harren und sein Team hatten in den 1990er Jahren den Caribbean Feeder Service (CFS) aufgebaut und versorgten mit eigenen und gecharterten Schiffen die Inseln und Anrainerstaaten der Karibik mit Gütern. Aus diesem Engagement entstand die Idee zur Gründung einer Reparaturwerft in Kingston, da Kapazitäten für komplexe Reparaturarbeiten in der Region limitiert waren. Zu dieser Zeit hatte der Geschäftsmann Charles Johnston ebenfalls den Gedanken, Schiffsreparatur-Services anzubieten und pachtete eine Bootswerft von der Regierung. Der Vertrag war an die Bedingung geknüpft, eine Reparaturwerft für größere Schiffe aufzubauen. Mit Kim Clarke, Maritime and Transport, stieg ein weiterer Jamaikaner in das Geschäft ein. In Deutschland holte Harren den Bremer Uwe Kloska (Kloska Group) mit ins Boot und aus der Türkei kam Hat-San Shipyard dazu.

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Jamaikas Premierminister Andrew Holness erklärte bei der Vorstellung des Projektes im Frühjahr in Kingston, dass „dieses Projekt Devisen einbringen wird. Es wird hochwertige Arbeitsplätze schaffen und einen großen Beitrag zum Wohlstand unseres Landes leisten“. Rund 3.000 Schiffsanläufe werden in Jamaika jährlich gezählt und etwa 180.000 Schiffe sind in der Region unterwegs, von denen man bei einigen entsprechende Wartungs- und Reparaturaufträge erwartet, so Holness. Der CEO von GSRJ, Colonel Martin Rickman, erklärte, dass Jamaika aufgrund seiner „hervorragenden geostrategischen Lage“ für den Betrieb dieser Werft bestens geeignet sei. Für das 1983 auf dem Bauplatz der Gute-Hoffnungshütte (GHH) in Nordenham-Blexen erbaute Schwimmdock war dies nun schon die dritte Atlantikquerung. Erbaut wurde es seinerzeit für eine amerikanische Marinewerft in New Orleans unter dem Namen „Jo Ann“ und wurde gleich nach der Fertigstellung von Blexen in den Süden der USA überführt. Dort verrichtete es über 20 Jahre seine Dienste bis Dieter Petram das Schwimmdock 2005 für rund 6 Millionen Dollar erwarb und mit Hilfe des Hochseeschleppers „Smit Singapore“ zurück nach Europa überführte. Allein diese Überführung soll damals schon rund anderthalb Millionen Euro gekostet haben. Der Standort der Gute-Hoffnungshütte in Nordenham-Blexen war zwischen 1956 bis 1990 der weltweit größte Dockbauplatz, auf dem für weltweite Kunden unter anderem 42 Schwimmdocks mit bis zu 250 m Länge gebaut wurden. 1990 wurde dieser Bauplatz auf dem Blexer-Groden geschlossen und rund 100 Mitarbeiter waren danach arbeitslos. Dann lag das Gelände lange brach und erst 2012 ließ sich Steelwind auf dem ehemaligen GHH-Areal nieder. Neue Nutzung des ehemaligen Werftgeländes im Kaiserhafen I Von der MWB Grundstücksverwaltungs GmbH des Unternehmers Dieter Petram wurde das Schwimmdock V schon zum Jahresanfang verkauft, da er für das Dock in Bremerhaven an seinem Liegeplatz keine Verwendung mehr sah, zumal er einen langfristigen Pachtvertrag mit der BLG logistics für die Abfertigung von Schwerlastgütern auf einem Großteil des Areals zwischen Barkhausenstraße und Kaiserhafen I abgeschlossen hat. Mit der Übergabe des 60.000 Quadratmeter großen Areals entlang der Barkhausenstraße an das Seehafen- und Logistikunternehmen BLG Logistics enden damit nach fast 90 Jahren umfangreiche und zum Teil spektakuläre Schiffbau- und Umbautätigkeiten an der 600 Meter langen Kaje an der Ostseite des Kaiserhafens I. Zunächst wurde das Grundstück für die Marine genutzt, ab 1957 für die MWB Motorenwerke GmbH. Im Jahre 1995 wurden die Betriebsteile Schiffbau sowie Motoren von Dieter Petram übernommen und als zwei Gesellschaften fortgeführt bis 2018 die Betriebsgesellschaften an die Bremerhavener Rönner-Gruppe verkauft wurde. Das gesamte Areal sowie das Schwimmdock V an der Ostseite vom Kaiserhafen l befinden bzw. befanden sich somit weiterhin im Eigentum der Petram Group, einige Gebäudeteile sind dabei an Gewerbeunternehmen vermietet.

Im Rahmen der Vermietung von Flächen an die BLG logistics wurden in den vergangenen Wochen schon einige der roten markanten Backsteinbauten aus der Vorkriegszeit der ehemaligen Werkstätten und Betriebsgebäude entlang der Pier abgerissen.


Auch die bisherige Betriebsstätte Kaiserhafen I von Bredo Dry Docks wurde damit geschlossen. Der zur Rönner-Gruppe gehörende Werftbetrieb soll für größere Schiffe weiterhin die Dockanlagen der benachbarten Lloyd Werft im Überseehafen benutzen. Das kleinere, 147 Meter lange „Schwimmdock VI“ von diesem Standort von Bredo Dry Docks wurde inzwischen wieder in den Kaiserhafen III verholt. Darin liegt aktuell die Fregatte „Bayern“ der Deutschen Marine für rund sechs monatige Instandsetzungsarbeitern.


Bis 2026 plant nun die BLG logistics am Kaiserhafen I eine High & Heavy-Factory für technische Dienstleistungen zu entwickeln. Die Frei- und Hallenflächen, inklusive der bereits installierten Kräne, ermöglichen dazu die Montage und Demontage von Großanlagen. Neben dem geplanten Freihafen-Status ist auch die Anbindung des Geländes an die 240 Hektar große Fläche des Autoterminals ein wichtiger Aspekt - es grenzt direkt an die BLG-Flächen im Kaiserhafen. So kann die Zufahrt vom BLG-Terminal auf die diese Fläche zukünftig direkt erfolgen. Gleichzeitig sind Anlieferung und Abfuhr von High & Heavy-Gütern per Lkw auch auf und von der MWB-Fläche möglich.


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