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  • AutorenbildChristian Eckardt

Eisbrecher „Wal“ dampft wieder



Der Dampfeisbrecher „Wal“, eines der Traditionsschiffe der Schiffahrts-Compagnie Bremerhaven, ist nach einem neunwöchigen Werftaufenthalt wieder an seinem angestammten Platz und bereit für neue Törns.


Neun Wochen lang lag der Dampfeisbrecher „Wal“ an der Pier der Werft RS Heise Schiffs- und Industrietechnik im Fischereihafen zur Reparatur. Jetzt ist das Traditionsschiff zurück an seinem angestammten Liegeplatz im Neuen Hafen. Die Vorbereitungen für den ersten großen Törn nach der Werftzeit laufen auf Hochtouren. Angesteuert wird Helgoland. Auch eine längere Fahrt zur „Dampf Rundum“ in Flensburg, Europas größtem Dampfertreffen, ist vom 9. bis 20. Juli geplant.


Die Erleichterung an Bord war groß, als erstmals die reparierte Hauptmaschine angeworfen wurde und wieder lief. Denn das Austauschen von 17 kleinen und fünf großen Kesselrohren stellte sich als aufwendige Aufgabe dar. „Einige Rohre waren wohl schon seit 50 Jahren mit Stopfen blind gesetzt worden“, erzählt Chief Ralf Schaefer. Es bedurfte teilweise eines enormen Kraftaufwandes, die Stopfen zu entfernen. Schaefer und viele seiner Kollegen aus der Maschine unterstützten die beiden Werftmitarbeiter, die sich intensiv auf ihren Einsatz auf dem Traditionsschiff vorbereitet hatten. „Wir haben uns extra ein Musterrohr von 70 Zentimeter Durchmesser beschafft, damit der Kollege üben konnte, darein zu kriechen und auch noch mit Werkzeug zu arbeiten“, berichtet Heise-Werftchef Jan Stolle.

Außerdem musste Spezialwerkzeug beschafft werden. Die Besonderheit der insgesamt 531 Rohre auf der „Wal“: Alle Rohre werden nur gesteckt und dann gedehnt, damit sie zusammenhalten. „Die Kessel der Titanic waren genauso gebaut“, weiß Stolle. Für ihn ist die Reparatur ein Novum in der Firmengeschichte und eine Herausforderung, die die Werft gerne angenommen habe.Eine Herausforderung mit einem glücklichen Ende, meint Ralf Schaefer: „Die Maschine ist jetzt zu 90 Prozent in einem Zustand wie bei der Werftablieferung im Jahr 1938“.


Möglich wurden die aufwendigen Arbeiten, bei denen auch die Kesseltrommel mit Schamott bekleidet wurde, durch die Stadt Bremerhaven, die das touristisch attraktive Traditionsschiff finanziell unterstützte. Dafür sei der Verein Schiffahrts-Compagnie sehr dankbar, sagt dessen 1. Vorsitzender Rüdiger Pallentin: „Ohne diese Förderung wäre die dringend notwendige Reparatur nicht möglich gewesen.

 

 Der 49,9 Meter lange Dampf-Eisbrecher „Wal“ wurde 1938 auf der Werft Oder-Werke in Stetting gebaut. Der Antrieb erfolgt über Dreifach-Expansionsdampfmaschine mit einer Leistung von 1200 PS mit Stephenson-Kulissensteuerung.


Der Dampf-Eisbrecher „Wal“ mit seinem bauchigem Rumpf und dem steil aufragendem Steven war bis 1990, also rund 50 Jahre, auf dem Nord-Ostsee-Kanal unterwegs, wenn Eis diese wichtigste Schifffahrtsstraße der Welt zu blockieren drohte.

Als das Bundesverkehrsministerium sein letztes Dampfschiff außer Dienst stellte, war klar, dass dieses Beispiel einer vergessen gewähnten Epoche der Nachwelt erhalten bleiben sollte. Schifffahrtsfreunde aus Bremerhaven übernahmen mit finanzieller Hilfe der Stadt Bremerhaven den Eisbrecher, der mit seiner Dreifach-Expansionsdampfmaschine eine technische Besonderheit auf der Nord- und Ostsee darstellt. In mühevoller Kleinarbeit restaurierte die ehrenamtliche Stammbesatzung das Schiff und baute es im Innenbereich behutsam für seine neuen Aufgaben um.

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