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  • Christian Eckardt

Englandfähre „Prinz Oberon“ legte letztmalig vor 40 Jahre an Bremerhavener-Columbuskaje an


Wiederaufnahme eines Passagier-Fährdienstes von einem deutschen Hafen nach England ist aktuell nicht absehbar

Am 15. Dezember ist es 40 Jahre her, dass auf der im Jahr 1966 eröffneten Fährlinie von Bremerhaven in die britische Hafenstadt Harwich letztmalig das Fährschiff "Prinz Oberon" ablegte. Nicht nur die Fähre ist schon lange Geschichte, auch die letzten baufälligen Überreste des Fähranlegers am Nordende der Columbuskaje wurden schon im letzten Jahr im Zusammenhang mit dem Neubau der Kaje 66 und der Columbuskaje abgerissen. Am Nordende der Columbuskaje wurde früher die Englandfähre nach Harwich abgefertigt.


Am 23. Mai 1966 nahm die schwedische Lion Ferry AB Halmstad die erste Fährverbindung zwischen Deutschland und Großbritannien mit dem Fährschiff „Prins Hamlet“ auf. Bremerhaven wurde dabei gezielt aufgrund seiner geographisch günstigen Position im Vergleich zu Hamburg mit einer wesentlich längeren Revierfahrt gewählt. Für die Beladung der Fähre wurde zuvor eine Fährrampe von der Stadt Bremen errichtet und ein rund 13.000 Quadratmeter großer Aufstellplatz für PKW und Frachtkunden geschaffen. Das 135 Meter lange Fährschiff konnte bis zu 2.000 Passagiere und rund 250 PKW befördern. Schon im ersten Jahr wurden über 50.000 Passagiere befördert und ein Jahr später bereits 72.114 Passagiere. Damit wurden zu dieser Zeit mit der Englandfähre deutlich mehr Passagiere über Bremerhaven befördert als über den zu der Zeit schon stark abgeschwächten transatlantischen Reiseverkehr an der Columbuskaje.

Foto: Museet for Söfart, Copenhagen, undatiertes Foto


Während der Wintermonate wurde zunächst die wesentlich kleinere eingecharterte „Viking III“ (3.657 BRT) eingesetzt. Schon im Jahr 1969 wurde die „Prinz Hamlet“ an die Prinzenlinie in Hamburg verkauft, an der Lion Ferry mit 50 % beteiligt war, in der Folge, dass die Abfahrten zwischen Hamburg und Bremerhaven wechselten. Dies änderte sich dann im Juni 1970, mit der Indienststellung der neuen 134 Meter langen „Prins Oberon“, unter dem Kommando von Kapitän Karl-Erik Levin. Die auf der Nobiskrug Werft in Rendsburg erbaute "Prins Oberon" bot insgesamt 1.040 Passagieren und 238 PKW Platz, war aber weniger komfortabel als die "Prinz Hamlet", entsprach aber mit der einfachen Ausstattung den damals üblichen Trend der siebziger Jahre. Die meisten Passagiere legten seinerzeit vor allem Wert auf eine günstige, jedoch weniger auf eine komfortable Fährüberfahrt. Das Schiff wurde nur über die Heckrampe mit Fahrzeugen beladen, auf den Einbau einer verhältnismäßig teuren Bugklappe wurde seinerzeit verzichtet. Alle zwei Tage gegen 17.00 Uhr startete in Bremerhaven die Überfahrt nach Harwich, die rund 16 Stunden dauerte. Die Passage kostete 1980 in der Hauptsaison für eine Person 142,- DM und zusätzlich 52,- DM für einen Platz in der Doppelkabine, die Mitnahme des eigenen PKW kostete seinerzeit 151,- DM in der Hauptsaison. Eine Minicruise in einer 4-Bettkabine in der Nebensaison war hingegen schon für 95 DM zu haben.


Viel genutzt wurde die Fähre vor allem von Angehörigen der britischen Rheinarmee, die dann mit der Bahn oder ihren privaten PKW zu den Standorten in Osnabrück und der Lüneburger Heide weiterfuhren. Deutsche Gäste nutzten die Fährlinie gerne für einen Kurzurlaub in Großbritannien, kamen aber seinerzeit auch noch in den Genuss des zollfreien Einkaufs. Beliebt waren auch die Partywochenendfahrten, bei dem in der Disco an Bord ordentlich das Tanzbein geschwungen wurde. Mitte der 70er Jahre war dann der Höhepunkt erreicht, es wurden rund 127.500 Passagiere an Bord der „Prinz Oberon“ pro Jahr gezählt Im September 1978 wurde das Schiff nach Verkauf an die Deutsche Leasing AG in „Prinz Oberon“ umbenannt und fortan von der Det Forenede Dampskibs-Selskab (DFDS) unter dem Namen „Prinzenlinie“ bereedert. 1980 gingen die Passagierzahlen deutlich zurück.


Durch die Reduzierung der Crewmitglieder zeigten sich Kunden über den schlechteren Service an Bord immer mehr unzufrieden. Doch auch hatte sich das Urlaubsverhalten verändert, denn Charterflüge in den Süden wurden immer günstiger. Zudem wurden im Ärmelkanal neue Fährlinien von Belgien und den Niederlanden nach England eingerichtet, die der deutschen Fährlinie mehr Gäste abnahm. Im Mai 1981 wurden die „Prinz Oberon“ als auch die von Hamburg aus verkehrende „Prinz Hamlet“ vollständig von DFDS übernommen. Am 26. August 1981 stellte der Vorstand der DFDS ein Sanierungskonzept für beide Routen der neuen DFDS-Prinzenlinien vor. Auf der Linie Hamburg-Harwich führten die eingeleiteten Maßnahmen für 1982 zu einer Steigerung der Passagierzahl um 16 %. Auf der "Prinz Oberon" stagnierten die Passagierzahlen bei nur noch 96.000 Gästen im Jahr 1982. Nach der letzten Ankunft der "Prinz Oberon" am 17.12.82 wurde der Fährdienst zwischen Bremerhaven - Harwich komplett eingestellt. Die Fähre wurde danach zunächst Bremerhaven aufgelegt und in den folgenden Monaten kam die Fähre dann bei verschiedenen Reedereien als Charterschiff zum Einsatz. Im Sommer 1993 wurde es dann nochmals in Bremerhaven aufgelegt. Im Juni 1984 verkehrte die „Prinz Oberon“ dann für zwei Monate noch einmal von einem deutschen Hafen, für einen Fährdienst zwischen Cuxhaven, Harwich und Göteborg. Danach folgte ein Verkauf des Schiffes und ab 1986 sogar ein Einsatz in asiatischen Gewässern in Malaysia. Zuletzt verkehrte die ehemalige Englandfähre dann unter dem Namen „Ambassador II“ vor der Küste Floridas als Casinoschiff. Der Dienst wurde im Sommer 2008 eingestellt und nachdem das Schiff über zwei Jahre im texanischen Orange aufgelegt wurde, endete die Geschichte der ehemaligen Bremerhavener Englandfähre im Januar 2011 auf einer Abwrackwerft in New Orleans.


Foto: Prinz Hamlet, Museet for Söfart, undatiertes Foto


Nachdem der Fährbetrieb von Bremerhaven nach Harwich eingestellt wurde, kam nur noch die kleinere „Prinz Hamlet“ von Hamburg aus zum Einsatz. Aber auch diese Route verbuchte immer weniger Passagiere bei immer höheren Kosten. Ein letzter Versuch, die Fährlinie von Deutschland nach England am Leben zu erhalten war dann im Jahr 2002 die Verlegung des Abfahrtshafens von Hamburg nach Cuxhaven und damit einer Verkürzung der Revierfahrt auf der Elbe.

Doch schon am 6. November 2005 verkehrte das letzte Charterschiff, die "Duchess of Scandinavia", ein letztes Mal über die Nordsee vom Steubenhöft in Cuxhaven nach Harwich, danach wurde die einzige Passagier-Fährverbindung von Deutschland nach Großbritannien eingestellt. Die Konkurrenz durch Billigflieger aber auch die Einstellung des zollfreien Warenverkaufs an Bord machte der Reederei immer mehr zu schaffen und mit nur 205.000 Passagieren und 55.000 PKW in drei Jahren war der Fährdienst nicht mehr rentabel zu betreiben.

Eine Neuauflage eines Passagier-Fährdienstes von Cuxhaven oder einem anderen deutschen Hafen nach England ist, trotz mittlerweile veränderter Rahmenbedingungen durch den Brexit, nicht erkennbar. Von Bremerhaven wäre dies aufgrund der fehlenden Infrastruktur (Fährrampe) im Bereich der Columbuskaje jetzt auch nicht mehr umsetzbar. Einen reinen regelmäßigen RoRo-Frachtfährdienst von Bremerhaven nach Harwich gibt es aber immer noch, mit der britischen Mann Lines. Im Rundverkehr zwischen Finnland, Rotterdam und Harwich steuert das die RoRo-Frachtfähre „ML Freya“ regelmäßig alle 10 Tage das BLG Autoterminal im Überseehafen an.

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