• Christian Eckardt

Erste Meko-Fregatte soll Rönner-Halle verlassen Aufwändige Wasserung im Neustädter Hafen in Bremen


So sah die erste Fregatte noch im August 2020 aus - am Wochenende wird sie die Lunehalle vollständig verlassen! An diesem Wochenende soll bei Stahlbau-Nord in Bremerhaven das so genannte Roll-Out für die erste von drei Fregatten, die das zur Rönner-Gruppe gehörende Unternehmen in den vergangenen Monaten in der Lunehalle im Bremerhavener Fischereihafen produziert hat, verlassen. Diese Fregatten entstehen im Unterauftrag für die Kieler Werft TKMS für die ägyptische Marine. Dabei soll sich am Wochenende das große Tor I der so genannten Lunehalle erstmalig vollständig öffnen und im Kriechtempo wird auf so genannten Schwerlastfahrzeugen die neue, geschätzt rund 2.500 Tonnen schwere Fregatte aus der Halle gefahren. Anschließend erfolgt dann die Verschiebung an der Labradorpier auf den jüngst erst um 25 Meter auf 95 Meter verlängerten Schwerlastponton „BHV Innovation“. Dieser Ponton mitsamt der Fregatte wird dann mit Schlepperhilfe nach Bremen überführt, hier steht dann die schwierigste Aufgabe an: Das Zuwasserlassen der 120 Meter langen Fregatte. Dies erfolgt durch die Flutung der Ballastwassertanks des Schwerlastpontons, der sich durch das Gewicht dann langsam in Richtung Hafengrund absenkt, so weit, dass die Fregatte frei im Wasser schwimmt.


Hierfür waren im Vorfeld allerlei Berechnungen und Absprachen zwischen Planern und Behörden notwendig, denn der Ponton kann sich nur im ruhigen Wasser und vor allem an einer extrem tiefen Stelle des Hafens absenken. Der Fischereihafen in Bremerhaven vor der Lunehalle ist zu flach, hat nur eine maximale Wassertiefe von 7 Meter. Allein der Tiefgang des Schwerlastpontons beträgt schon rund 3 Meter. Durch die maximale Absenktiefe von 7 Meter schied damit der Fischereihafen bei den Planungen für diesen Vorgang aus. Vor der Stromkaje in Bremerhaven hat die Weser für die Abfertigung der großen Containerriesen zwar eine Tiefe von mindestens 14 Meter, aber für solch ein Vorhaben wie die Wasserung der Neubaufregatte ist die Tidenströmung dort viel zu hoch. Dann kam bei den Projektplanern die Idee auf, die Wasserung in der Kaiserschleuse durchzuführen, die immerhin auch eine Wassertiefe von rund 13 Meter hat. Doch waren hierfür die Bedenken seitens der Hafenbehörde doch zu groß, dass es zu einem längeren Ausfall der Schleuse kommen könnte, sollte sich der Absenkvorgang nicht so abspielen wie geplant.

Somit blieb in Abstimmung mit der Hafenbehörde in Bremen noch die Option mit dem Neustädter Hafen in Bremen. Hier wurde vor ein paar Jahren nach einem ähnlichen Verfahren die Neubauyacht „Aviva“ von Abeking & Rasmussen schon einmal über einen abgesenkten Ponton erfolgreich zu Wasser gelassen. Auf der Ostseite hat der Hafen eine Solltiefe von 11 Meter bei einem relativ geringen Tidenstrom. Das mittlere Hochwasser läuft mit + 4,61 m auf, so dass man abhängig vom Wind und natürlich der Mondphase dort bei Hochwasser eine Mindest-Wassertiefe von 15,61 Meter hat. Durch die anstehende Vollmond-Phase am Montag kommt es somit noch zu einer Springtide, die damit noch mehr Wasser in die Weser bringt, so dass genügend Tiefgang für den Absenkvorgang vorhanden ist. Zum Wochenanfang wurde dieser Absenkvorgang mit dem Ponton „BHV Innovation“ auf der Ostseite des Neustädter Hafens nun schon erfolgreich geprobt, wie ein Sprecher des Hansestadt Bremischen Hafenamtes in Bremen erklärte. Anschließend wird die neue Fregatte wieder nach Bremerhaven geschleppt und an der Labradorpier vor der Lunehalle erfolgt die weitere Ausrüstung. Inwieweit hier dann auch die Bewaffnung erfolgen wird und wann die Fregatte abgeliefert werden soll ist bislang nicht bekannt.

Mittlerweile wird in der Lunehalle von Stahlbau-Nord fleißig an der zweiten Fregatte gearbeitet, die im Sommer zu Wasser gelassen werden soll. Derzeit befinden sich vor der Schiffbauhalle noch weitere vorgefertigte Sektionen für die dritte Fregatte, die nach dem Roll-Out des ersten Schiffes in der Halle zusammengefügt werden. Somit könnte dieses dritte Schiff dann zum Jahresende zu Wasser gelassen werden.

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