• Christian Eckardt

Erster Teilerfolg zur Sicherung des schiefen Molenturms in Bremerhaven mit Hilfe eines Arbeitsponton



Zunächst soll die rote Metallspitze des Turms abgebaut werden


Fachleute der Hafengesellschaft Bremenports und ein Sachverständiger von KMR-Marine Surveyors GmbH aus Bremerhaven haben am frühen Samstagabend als erstes den schiefstehenden Mohlenturm und vor allem die rote Kuppel des denkmalgeschützten Turms untersucht, inwieweit eine Bergung möglich ist. Hierzu wurde zuvor der eigenes dafür hergerichtete Schwerlastponton „BHV Innovation“ von dem maritimen Dienstleister BHV Chartering aus Bremerhaven an die zum Teil eingebrochene Nordmole verholt. Diese Maßnahme konnte am Samstag nachmittag als erster Teilerfolg im Rahmen von Sicherungsmaßnahmen für die havarierte Nordmole abgeschlossen werden.



Da über die sehr instabile Kaje selbst kann keiner mehr den Mohlenturm erreichen kann, wurde von BVT Chartering der Schwerlastponton „BHV Innovation“ ins Spiel gebracht. Der Leuchtturm ist durch die Schäden an der Nordmole in der Nacht zum vergangen Donnerstag in Schieflage geraten. Nach Angaben von Bremenports haben Überwachungsgeräte bislang allerdings keine weitere Bewegung der Nordmole angezeigt. Nun soll der Turm vom Ponton aus weiter untersucht werden.


Schon früh hatte Bremenports BVT Chartering mit den nun kurzfristig anstehenden Rückbaumaßnahmen beauftragt, wie Projektleiter Jörn Haumüller auf Anfrage erklärte. „Es wäre auch alles einfacher geworden, wenn uns unser Schwimmkran „Athlet“ zur Verfügung stehen würde. Doch der fällt derzeit für dringende Reparaturarbeiten noch mehrere Wochen aus“ so Haumüller.


Jörn Haumüller erläutert einem Fernsehteam die anstehenden Arbeiten


Somit wurde der 95,5 Meter lange und 32,5 Meter breite Schwerlastponton „BHV Innovation“ schnell aktiviert, der zuletzt für die Wasserung der bei der Rönner-Gruppe im Fischereihafen erbauten Fregatten für die ägyptische Marine genutzt wurde. Nun dient der stabile Ponton als Arbeitsplatz für die Autokräne aber auch mit einem weichen Kissen aus über 200 Strohballen. Auf einer Teilfläche des rund 3000 Quadratmeter großen Arbeitsdecks des Pontons wurde innerhalb kürzester Zeit rund 200 bis zu 300 Kilogramm schwere Strohballen ausgelegt, auf der einerseits die bei Abbrucharbeiten anfallenden Teile abgelegt werden sollen, oder im Extremfall der Turm weich abstürzen soll.



Hierfür hat Haumüller von einem Lohnunternehmen aus seinem Wohnort im Landkreis Osterholz zig Anhängerladungen von Strohballen kurzfristig organisiert. Um die Strohballen herum wurden die aus dem Offshore-Umschlag von Windkraftanlagen genutzten Lastrahmen aufgestellt, damit die Strohballen nicht verrutschen. Sorgen bereiteten den Projektleiter jedoch das geplante Abbrennen eines großen zentralen Feuerwerks am Samstagabend im Rahmen der Maritimen Tage in Bremerhaven. Ein Querschläger könnte für eine schnelles entfachen eines Feuers auf dem Ponton sorgen. Somit mussten zusätzlich weitere Brandschutzmaßnahmen organisiert werden.


Für die eigentlichen Abbrucharbeiten des Turms wurde kurzerhand ein Spezialabbruchbagger mit Spitzenausleger organisiert, der derzeit das alte Finanzamt in Bremerhaven abreißen soll. Nun ruht die Baustelle beim Finanzamt für ein paar Tage, damit der Mohlenturm so schnell wie möglich geborgen und die Einfahrt in die Geestemündung baldmöglich wieder für die gesamte Schifffahrt wieder zur Verfügung steht.


Zunächst legte sich die „BHV Innovation“ am Samstagnachmittag vor die havarierte Mole. Für einen festen Halt des Pontons sorgen nun zwei mehrere Tonnenschwere Dalben, die sich aufgrund des hohen Eigengewichts in den Flussboden gebohrt haben. Doch für diese beiden Dalben mussten zunächst noch in einer Nacht- und Nebelaktion von BVT so genannte Schlössern an der Seite des Pontons angeschweißt werden.


Nachdem nun am Samstagabend der Ponton mit Hilfe von zwei Boluda-Schleppern längsseits des Molenturms gezogen wurde, konnten ein externer Sachverständiger und Fachleute von Bremenports von einem Arbeitskorb aus den Zustand der Kuppel beäugen. Mit dabei waren auch Bremenports-Chef Robert Howe sowie Bremens Häfensenatorin Dr. Claudia Schilling, die sich mit dem Bremenports-Arbeitsschiff „Hol Blank“ längsseits des Pontons gelegt haben.







Am Sonntag soll nun noch ein Spezialunternehmen eine Drohne starten und wird 3D-Aufnahmen von dem 1914 erbauten und denkmalgeschützten Turm und der roten Kuppel fertigen. Diese sollen dann Grundlage für die weiteren Beratungen und Maßnahmen sein. Ziel ist es derzeit, dass man das Dach in einem Stück vom Turm entfernt. Fachleute gehen davon aus, dass der Abbau der Kuppel erst in der kommenden Woche passieren wird, da durch diese Arbeiten der Ablauf der derzeit laufenden Maritimen Tage im Bereich der Havenwelten nicht beeinträchtigt werden soll. Zu dem maritimen Hafenfest der Stadt mit mehr als 80 verschiedenen Segel-, Motor- und Dampfschiffen werden rund 300.000 Besucher erwartet.


Häfensenatorin Dr. Claudia Schilling im Gespräch u.a. mit Robert Howe, rechts


Wenn die rote Kuppel des Molenturms dann entfernt wird, geht es an den Abriss des schief stehenden Turms, wobei der Steinabbruch in Stroh gelegt werden soll. Gutachter Reichelt geht von einem Ablauf von drei bis vier Tagen aus, so dass, wenn das Wetter auch mitspielt, bis zum nächsten Wochenende die Geesteeinfahrt wieder voll zur Verfügung steht.

Nachdem der Schiffsverkehr zwischenzeitlich komplett eingestellt worden war, ist er für die Berufsschifffahrt inzwischen wieder freigegeben worden.


Auch die Weserfähren, die zwischen Bremerhaven und Nordenham-Blexen verkehrt, kann wieder eingeschränkt verkehren. Vorerst müssen sich jedoch Schiffe, die den Bereich passieren wollen, anmelden und dabei angeben, ob sie mit Schleppern oder Lotsen einlaufen müssen.

Für die Sportschifffahrt ist die Strecke aktuell aber immer noch gesperrt.

366 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen