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  • AutorenbildChristian Eckardt

German Ship Repair Jamaika ist neuer Eigentümer des „Schwimmdock V“ in Bremerhaven



BLG Logistics übernimmt zum 1. Juli den ehemaligen Bredo-Werft Standort


Fast 90 Jahre erfolgten an der Ostseite des Kaiserhafen I in Bremerhaven Schiffbautätigkeiten und vor allem umfangreiche Schiffsreparaturen. Zunächst für die Marine, dann unter den Namen MWB, German Dry Docks und zuletzt bei Bredo Dry Docks. Doch damit ist nun Schluss, denn der Eigentümer des Areals entlang der Barkhausenstraße und der rund 1000 Meter langen Pier, die MWB Grundstücksverwaltungs GmbH des Unternehmers Dieter Petram, hat einen langfristigen Pachtvertrag mit der BLG logsitics für die Abfertigung von Schwerlastgütern auf einem Großteil dieses Areals abgeschlossen.



Somit verlässt Bredo Dry Docks derzeit diesen traditionellen Werftstanddort in der Seestadt.

Damit einher werden aktuell nicht nur viele der roten markanten Backsteinbauten der ehemaligen Werkstätten und Betriebsgebäude entlang der Pier abgerissen, sondern auch die bisherige Betriebsstätte Kaiserhafen von Bredo Dry Docks wird damit geschlossen. Der zur Rönner-Gruppe gehörende Werftbetrieb soll für größere Schiffe weiterhin die Dockanlagen der benachbarten Lloyd Werft im Überseehafen benutzen. Das kleinere, 147 Meter lange „Schwimmdock VI“ von diesem Standort soll entweder in den Kaiserhafen III oder zum Stammbetrieb der Bredo-Werft in den Fischereihafen verholt werden. Das große 215 Meter lange und 44 Meter breite „Schwimmdock V“, das von Bredo gepachtet wurde, ist nun aber die längste Zeit in Bremerhaven gewesen. Denn Eigner Dieter Petram konnte dieses Schwimmdock mit einer Hebekapazität von 20.000 Tonnen, das seit nunmehr 18 Jahren am Nordende des Kaiserhafens liegt, schon zum Jahresanfang an das neu gegründete Joint Venture German Ship Repair Jamaika (GSRJ) in der Karibik verkaufen. Partner dieses bereits 2016 gegründeten Unternehmens sind unter anderem die Harren Group aus Bremen, Kingston Holding, Jamaika; die deutsche Kloska Group und die türkische HAT-SAN Shipyard. http://www.gsrj.com.jm/


GSRJ plant vermehrt Schiffsreparaturen in der Karibik anzubieten und ab November soll das Schwimmdock, dass in „Jam Dock 1“ umbenannt wird, den Betrieb aufnehmen. Rund 37 Millionen Dollar nehmen die Partner in der ersten Phase des Projekts in die Hand, wie bei der Vorstellung im Januar dieses Jahres in Kingston mitgeteilt wurde. Der Finanzpartner Sagicor Bank stell dabei die Hälfte des notwendigen Betrags als Darlehen zur Verfügung.

Jamaikas Premierminister Andrew Holness erklärte bei der Vorstellung des Projektes im Januar im Kingston Harbour, bei der unter anderem auch Kapitän Peter Harren, Gründer der Harren Goup teilnahm, dass „dieses Projekt Devisen einbringen wird. Es wird hochwertige Arbeitsplätze schaffen und einen großen Beitrag zum Wohlstand unseres Landes leisten“, fügte er hinzu.


Holness wies darauf hin, dass jedes Jahr etwa 3.000 Schiffsanläufe in Jamaika gezählt werden und etwa 180.000 Schiffe in der Region unterwegs sind, von denen man bei einigen entsprechende Wartungs- und Reparaturaufträge erwartet. Der CEO von GSRJ, Colonel Martin Rickman, ist der Ansicht, dass Jamaika aufgrund seiner „hervorragenden geostrategischen Lage“ für den Betrieb dieser Werft geeignet sei. Weiterhin betrachtet der CEO die notwendigen Mitarbeiterschulungen von entscheidender Bedeutung für das Projekt, um den Arbeitern die Einhaltung internationaler Standards für die Durchführung der erforderlichen Arbeiten zu ermöglichen.


Das mittlerweile 40 Jahre alte „Schwimmdock V“ tritt damit nun schon zum zweiten Mal die Überführungsreise von Nordeuropa über den Atlantik an. Gebaut wurde es von der Gute-Hoffnungshütte in Nordenham-Blexen für die amerikanische Northrop Grummans Avondale-Werft und lag über 20 Jahre in der Mississippi-Metropole New Orleans unter dem Namen „Jo Ann“. 2005 erwarb Unternehmer Dieter Petram das Objekt für eine neu gegründete Dockgesellschaft für rund 6 Millionen Euro für die Betriebsstätte im Kaiserhafen I, die damals noch als Motorenwerke MWB betrieben wurde und mit Hilfe des niederländischen Hochseeschleppers „Smit Singapore“ wurde das Dock im Spätsommer 2005 in rund 5 Wochen nach Bremerhaven überführt. Allein der Transport hat seinerzeit rund anderthalb Millionen Euro gekostet.


29.08.2005, Ankunft des Schwimmdocks JO ANN in Bremerhaven


Nun nimmt das Dock wieder Abschied von der Seestadt und der ehemalige 74 Meter lange norwegische Offshore-Versorger „Titan“ (ex „Strilborg“) mit einer Pfahlzugleistung von rund 165 Tonnen soll nun um den 19. Juni das Dock nach Jamaika an einer rund 1000 Meter langen Schleppleine überführen. Die Ausfahrt in Bremerhaven wird über die gerade sanierte Kaiserschleuse mit Hilfe von mehreren Hafenschleppern erfolgen. Auch für diesen Transport sind rund 5 Wochen eingeplant. Die Zeit drängt ein wenig, denn das Dock soll noch vor Beginn der Hurrikan-Saison in Jamaika eintreffen. Die „Titan“ soll später in der Karibik bleiben, wird derzeit aber noch einmal im Schwimmdock VI von Bredo technisch überholt.

Aktuell werden von Mitarbeitern der Bredo-Werft die notwendigen Sicherungsmaßnahmen an dem Schwimmdock für die Seeverschleppung durchgeführt, so müssen die beiden Dockkräne festgesetzt und die Ausleger verschweißt werden und alle Öffnungen am Dock müssen aus Sicherheitsgründen gegen eindringendes Wasser zugeschweißt werden. Zudem wurden am Heck zwei Notanker mitsamt schwerer Ankerketten befestigt. Zudem soll nach Informationen der Nordsee-Zeitung aus Bremerhaven im Dock auch noch eine Menge Fracht für die Ausrüstung der neuen Werft mitgenommen werden. Dazu gehören 18 Container und auch ein 55 Meter langer Ponton.

TITAN noch im Schwimmdock VI - wird in zwei Wochen das Schwimmdock V, links, nach Jamaika überführen



Im März teilte das Seehafen- und Logistikunternehmen BLG logistics mit, dass man die ehemalige „MWB-Fläche“ mit zwei Schiffsliegeplätzen für das Segment High & Heavy langfristig zum 1. Juli 2023 von der MWB Grundstücksverwaltungs GmbH anmietet. Die Fläche an der Barkhausenstraße 60 umfasst 60.000 Quadratmeter Frei- und Hallenfläche sowie zwei Schiffsliegeplätze mit einer 600 Meter langen Kaje.

"Mit dieser Investition reagieren wir auf die gestiegene Nachfrage im Umschlag von selbstfahrenden Einheiten, Breakbulk-Cargo sowie Projektladung und stärken unser High & Heavy-Segment im Geschäftsbereich Automobile", erklärt Matthias Magnor, Vorstandsmitglied und Chief Operating Officer (COO) der BLG-Gruppe. Denn die Anmietung des Geländes ermöglicht es, sowohl den Umschlag zu erhöhen als auch die Dienstleistungstiefe rund um den Im- und Export von rollenden Baumaschinen, Traktoren und anderen Schwergütern auszuweiten. Mit einem Umschlagvolumen von rund 1,2 Millionen Tonnen High & Heavy-Gütern pro Jahr gehört der BLG AutoTerminal Bremerhaven bereits heute zu den größten RoRo-Terminals seiner Art in Europa. Die Erweiterung der BLG-Fläche wird auch insgesamt zur Erhöhung der Effizienz und Stabilität für alle Ladungssegmente führen.


Abbruch der alten Backsteinbauten und Werkstätten aus der Marinezeit - BLG logistics plant den Umschlag von High & Heavy Gütern auf diesem Areal


Bis 2026 plant die BLG logistics dort eine High & Heavy-Factory für technische Dienstleistungen zu entwickeln. Die anzumietenden Frei- und Hallenflächen, inklusive der bereits installierten Kräne, ermöglichen die Montage und Demontage von Großanlagen. Neben dem geplanten Freihafen-Status ist auch die Anbindung des Geländes an die 240 Hektar große Fläche des Autoterminals ein wichtiger Aspekt - es grenzt direkt an die BLG-Flächen im Kaiserhafen. So kann die Zufahrt vom BLG-Terminal auf die diese Fläche zukünftig direkt erfolgen. Gleichzeitig sind Anlieferung und Abfuhr von High & Heavy-Gütern per Lkw auch auf und von der MWB-Fläche möglich.

Bis zur abgeschlossenen Entwicklung - dazu zählt unter anderem die energetische Sanierung der Gebäude - wird BLG die Fläche zur Unterstützung und Entlastung der Kernfläche des Autoterminals nutzen

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