• Christian Eckardt

Kiellegung des ersten neuen WSV-Mehrzweckschiffes in Litauen


Foto: WSV


Für das erste der drei neuen Mehrzweckschiffe des Bundes, die bei der Werft Abeking & Ramsussen Schiffs und Yachtwerft (A&) bestellt wurden, erfolgte jetzt auf der Western Baltija Shipbuilding Werft in Klaipeda, einem langjährigen Unterauftragnehmer von A&R, die offizielle Kiellegung. Die Kiellegung ist bei einem Schiffsneubau der symbolische Akt zum Baustart nach dem Abschluss der wesentlichen konstruktiven Vorplanungen. Dabei werden Münzen als Glücksbringer auf die sog. Pallung, die Stützvorrichtung, unter der ersten Sektion gelegt.


Prof. Dr.-Ing. Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt: „Mit der Kiellegung gehen wir in die entscheidende Bauphase. Das neue Schiff wird die maritime Sicherheit wesentlich stärken. Durch die hochwertige Spezialausstattung werden im Falle von Notfällen auf See die Einsätze noch weiter verbessert.“

Michael Heidbrink, Leiter des Reedereizentrums erklärte hierzu: „Ich freue mich, dass der erste von drei innovativen Neubauten jetzt Gestalt annimmt. Damit wird ein Generationswechsel bei dieser wichtigen Schiffsklasse für die maritime Notfallvorsorge eingeleitet.“


Zuständig für die technische Bauabwicklung ist die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW). Projektleiter Andreas Worms: „Die technische Besonderheit dieser Neubauten besteht darin, dass die Schiffe mit emissionsarmem Flüssigerdgas (LNG) angetrieben werden und in Kombination mit ihrem Aufgabenspektrum damit weltweit einzigartig sind.“

Der Auftrag zum Bau der neuen Mehrzweckschiffe für die Nord- und Ostsee erfolgte im Dezember 2019 erteilt wurde. Nach Fertigstellung der Stahlrümpfe in Litauen werden die Kaskos zum Endausbau dann zum Hauptsitz von A&R nach Lemwerder an der Unterweser geschleppt. Ein Schiff dieser Neubauserie wird die 23 Jahre alte „Neuwerk“, die in Cuxhaven ihren Basishafen hat, ersetzen. Die beiden anderen Neubauten ersetzen die mittlerweile 47 Jahre alte „Scharhörn (Baujahr 1974) und die im Jahr 1984 erbaute „Mellum“. Die neuen Schiffe werden ausschließlich mit Flüssigerdgas (LNG) betrieben und sind damit besonders umweltfreundlich.


Bildquelle: A&R

Rolls-Royce liefert Gasmotoren für neue Mehrzweckschiffe

Rolls-Royce wird für die neuen 95 Meter langen Mehrzweckschiffe den gasgeschützten Antrieb liefern. Dazu sollen die Schiffe von einem gas-elektrischen Antriebssystem mit jeweils vier 3.600 Kilowatt leistenden mittelschnelllaufenden Bergen-Gasmotoren des Typs B36:45L6AG von Rolls-Royce angetrieben werden. Das Unternehmen liefert dabei nicht nur die Motoren und Generatoren, sondern bietet dem Kunden mit einem speziell entwickelten Gasschutzsystem eine besondere Lösung. Damit sind die Motoren auch dann noch betriebsfähig, wenn beispielsweise bei einer Havarie eines Gastankers die Umgebungsluft mit explosiven Gasen kontaminiert ist. „Die Motoren verbrennen zwar Gas, doch wenn dies über die Ansaugluft unkontrolliert in den Brennraum gerät, ist der Motor nicht mehr regelbar“, erläutert Rolls-Royce-Projektleiter Christian Prinz. Bei dem von Rolls-Royce entwickelten System wird die Leistung des Motors in Relation zur Gasmenge in der Ansaugluft angepasst. Kurz: Je mehr Gas sich in der Ansaugluft des Motors befindet, desto weniger Gas wird dem Motor über die Gasregelventile zugeführt. Ist die Gasmenge zu hoch, schließen spezielle Schnellschlussklappen die Gas- und Luftzufuhr und der Motor stoppt.


Die bei A&R bestellten Neubauten erhalten zudem Notschleppeinrichtungen mit einem Pfahlzug von 1450 kN (145 t). Das erste der neuen Spezialschiffe wird schon 2023 in Betrieb genommen, das zweite ein Jahr später und das dritte Schiff im Jahr 2025.

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