• Christian Eckardt

Lloyd Werft überholt norwegischen Offshore-Ankerziehschlepper „Normand Drott“



Für fünf Tage lag der norwegische Offshore-Ankerziehschlepper „Normand Drott“ der Reederei Solstad Offshore AS im Kaiserdock I der Lloyd Werft Bremerhaven. Wie eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage mitteilte, erfolgten an dem 2010 erbauten Schiff Wartungs- und Reparaturarbeiten an den Propellerflügeln.


Die „Normand Drott“ wurde als „Rem Gambler“ von der damaligen STX Europe mit einem Pfahlzug von 344 t als eines der stärksten Ankerschlepper (AHTS) der Welt abgeliefert. Es wurde im Juni 2010 an seinen Eigentümer Rem Con, eine Tochtergesellschaft von Rem Offshore, als das erste von zwei baugleichen Schiffen abgeliefert.


Die Kiellegung erfolgte Dezember 2008 und im Dezember 2009 wurde der Schiffsrumpf zu Wasser gelassen. Der Stahlrumpf wurde von STX RO Offshore in Tulcea, Rumänien, gebaut und das Schiff wurde von STX Norway Offshore in Brattvaag, Norwegen, ausgestattet. Das Schiff ist vom Design STX Europe AH 12. Die auf AH 12 basierenden Schiffe sind ultragroße Hochleistungs-AHTS-Schiffe und mit großen Windenpaketen ausgestattet.


Die Gesamtlänge des Schiffes beträgt 95 m, die Spantbreite 24 m und die Länge zwischen den Loten 85 m. Die Tiefe zum Hauptdeck beträgt 9,8 m. Die Sommerverdrängung bei 7,8 m Tiefgang beträgt 11.233 t. Die Höchstgeschwindigkeit des Schiffes beträgt ungefähr 18,9 Knoten, während die wirtschaftliche Geschwindigkeit ungefähr 12 Knoten beträgt.


Die Tragfähigkeit des Schiffes beträgt ca. 5.000 t, die Bruttoraumzahl 8.053 t und die Nettoraumzahl 2.415 t. Die Decksfläche beträgt 760 m2 und die Ladekapazität beträgt 10 t/m². Die Ballastwasserspeicherkapazität des Tanks beträgt 3.673,8 m³, die Frischwasserspeicherkapazität 932,9 m³ und die Heizölspeicherkapazität 2.006,1 m³. Ballastwasser kann mit 250 m³/h, Frischwasser mit 250 m³/h und Heizöl mit 2 x 250 m³/h abgegeben werden.

Insgesamt stehen 70 Kojen zur Unterbringung in 20 vollklimatisierten Ein-Mann- und 25 Zwei-Mann-Kabinen zur Verfügung. Die Messe bietet Platz für 40 Personen. Das Schiff hat einen Aufenthaltsraum, eine Kombüse, zwei Kühlhäuser, zwei Gefrierschränke und acht Büros. Es gibt auch ein Helikopterlandedeck. Zu den weiteren Einrichtungen gehören drei Lounges, zwei Konferenzräume und ein Fitnessraum.


Die Hybridmotorinstallation des Schiffes ermöglicht den Betrieb in verschiedenen Konfigurationen wie dieselmechanischer Antrieb, dieselelektrischer Antrieb oder einer Kombination aus beidem.


Das Schiff wird von zwei mechanisch gesteuerten Hauptdieselmotoren Wartsila V3216 mit mittlerer Geschwindigkeit angetrieben. Es gibt vier Caterpillar 3516-Hilfsaggregate mit jeweils 2.188 kW und ein Caterpillar C9-Notstromaggregat mit 380 kW Leistung. Es gibt auch einen 4.000-kW-Wellengenerator von ABB.


Der Antrieb erfolgt durch zwei 4.600-mm-Wartsila/Lips-Hauptpropeller mit jeweils 11.180 kW Leistung. Das Schiff ist mit zwei Rolls Royce TT2400 DPN FP Bugstrahlrudern mit jeweils 1.200 kW und einem Rolls Royce TT2400 DPN FP Heckstrahlruder mit 1.200 kW ausgestattet.

Zwei Rolls Royce UL 2001 FP Azimut-Triebwerke sind eingebaut, eines am Heck und das andere vor dem Schiff. Die Steuerung erfolgt über zwei Becker SC-2550/580 K2 Ruder.


Das Schiff ist mit einem Deckskran, zwei Frachtschienenkränen mit Rolls-Royce-Manipulatoren und einem Offshore-Kran ausgestattet. Der Deckkran hat eine sichere Arbeitslast (SWL) von 12 t bei 13 m Reichweite. Von den beiden Frachtschienenkranen hat einer 5 t SWL zwischen 3,2 m und 10 m und der andere 3 t SWL zwischen 10 m und 12,3 m Ausladung.


Das Schiff ist mit fünf Rolls-Royce-Schleppwinden ausgestattet. Zur weiteren Decksausrüstung gehören ein Teamtec OGS400C-Verbrennungsofen, zwei 20-t-Winden und zwei 20-t-Festmacherwinden.


Die Schlepp-/Ankerhandhabungsausrüstung umfasst zwei Rolls-Royce-Haifischbacken, Triplex-Popup-Stifte, zwei Rolls-Royce-Schleppstifte, sechs Rig-Ketten-Zigeuner und zwei Rolls-Royce-Rig-Ketten-Rückspannungswinden. Alle Haupt- und Nebenwindensysteme sind mit Spulvorrichtungen ausgestattet.




Eingesetzt wird das die heutige „Normand Drott“ im weltweiten Offshore-Geschäft, so war es vor ein paar Jahren in Charter für das brasilianische Unternehmen Petrobas vor Brasilien in Fahrt, vor zwei Jahren für die französische Mineralölgesellschaft Total in Südafrika. In diesem Frühjahr wurde das Schiff von der Mineralölgesellschaft Shell für einen Tagessatz von rund 90.000 € für einen 14-tägigen Einsatz für die Verschleppung der Bohrinsel „Ocean Endeavor“ in der Nordsee eingesetzt.


Im Frühling 2021 gab es einen ganz besonderen Bergungseinsatz, denn der Ankerziehschlepper half damals den in der Norwegensee in akute Seenot geratenen niederländischen Mehrzweckfrachter „Eemslift Hendrika“ (IMO 9671486) vor dem Untergang zu bewahren



Die havarierte Einheit wurde in stürmischer See auf den Haken genommen und zur norwegischen Hafenstadt Ålesund geschleppt. Durch die Rettung konnten dramatische Folgen für die Küste und die Meeresumwelt abgewendet werden. Denn der 2015 gebaute Frachter hatte rund 350 Tonnen Schweröl und 50 Tonnen Diesel an Bord.

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