• Christian Eckardt

Neue Gesellschaft LSG setzt auf Oldtimer-Schlepper „Greif“


Unterweser-Werften nutzen gemeinsam den neu motorisierten Schlepper


Bei der jetzt erfolgten Überführung des Segelschulschiffes „Gorch Fock“ auf der Unterweser kam ein schon fast historischer Assistenzschlepper, die „Greif“, zum Einsatz, der das gleiche Baujahr wie der Dreimaster der Deutschen Marine trägt, nämlich 1958. Dabei fällt ein neues Reedereilogo im Schornstein des Schleppers auf, denn der Voith-Schneider-Schlepper fährt seit diesem Sommer für die erst neu gegründete Logistik- und Schlepp-GmbH (LSG) aus Lemwerder, ein Gemeinschaftsunternehmen der Unterweser-Werften Fassmer, Abeking & Rasmussen und Lürssen. Ziel der LSG ist es, kurzfristig und in unmittelbarer Nähe zu den drei Werften in Bremen-Nord, Lemwerder und Berne, einen Schlepper für das Umschwimmen von Pontons oder eines Schiffes zur Verfügung zu haben.


Als die „Greif“ von dem bisherigen Eigner, der Schlepp- und Bergungsreederei Unterweser (SBU) verkauft werden sollte, wurden die drei Werften hellhörig, da dieser Schlepper in den vergangenen Jahrzehnten sich aufgrund seiner Größe und seines niedrigen Tiefganges von nur 3,2 Metern als ideal für die Bedürfnisse auf den Unterweserwerften erwiesen hatte. Hier kam er immer wieder bei der Verschiebung von Sektionen oder Pontons zum Einsatz, aber auch bei der Ausdockung der Megayachten bei Lürssen und A&R durfte der Schlepper „Greif“ nicht fehlen.

GREIF, noch mit SBU-Schornstein, im Einsatz bei der Lürssen-Werft im Jahr 2015


So entstand die Idee bei den drei Werften, diesen Schlepper gemeinsam für einen mittleren sechsstelligen Betrag für eine neue Gesellschaft zu erwerben, wie kürzlich der Weser-Kurier berichtete, da eine Werft allein diesen Schlepper nicht hätte auslasten können. Zusammen mit den Auszubildenden der Werften erfolgte ein rund dreimonatiger Umbau, bei dem auch die beiden alten Maschinen, in Hinblick auf eine nachhaltige Modernisierung im Zusammenhang auf zukünftige Umweltauflagen, ausgetauscht wurden. Durch den Einbau neuer Deutz-Antriebsmotoren wird zudem eine Kraftstoffreduzierung von rund 35 Prozent erreicht. Erhalten blieb aber beim Umbau die alte Silhouette der „Greif“, nur am Schornstein befindet sich nun das neue LSG-Logo.



Geplant sind von der LSG bis zu 180 Tageseinsätze pro Jahr bei den beteiligten Werften, wobei auch externe Firmen die Möglichkeit haben, die „Greif“ einzuchartern. Bereedert wird der Schlepper von dem Nautischen Büro Bremen, das bei den Einsätzen auch die Crew stellt.


GREIF, mit Heimathafen Bremen, im Jahr 2006 in Brake


Die 22,80 m lange und 6,20 m breite „Greif“ wurde im Jahre 1958 von der Jadewerft in Wilhelmshaven unter dem damaligen Namen „Luchs“ für den Norddeutschen Lloyd gebaut. Dabei handelte es sich um das letzte Schiff einer aus fünf Schleppern bestehenden Neubauserie im Rahmen einer damaligen Flottenerneuerung. Zugelassen wurde der Schlepper zunächst als Seetraktor nach GL-Klasse und war bis Mitte der 90er Jahre auch in der Küstenfahrt im Einsatz, meist aber bei der Hafenassistenz im Unterweserraum. Nach der Ablieferung vor 64 Jahren wechselte der Schlepper mehrere Male seinen Namen sowie den Besitzer. So wurde er im Jahr 1982 als „Max“ von der Büsumer Werft übernommen, ehe die Schlepp- und Bergungsreederei Unterweser (SBU) aus Bremen das Schiff übernahm und in „Greif“ umbenannte.

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