• Christian Eckardt

Neuer Schwung in alten Hallen



EDT-Offshore sorgt für gute Auslastung bei RS Heise in Bremerhaven


So einen großen Auftrag, bezogen auf die Schiffsgröße, gab es schon lange nicht mehr an der Pier des Schiffsrepaturbetriebes RS Heise, ganz am nördlichen Ende der Hoebelstraße 55 im Fischereihafen II in Bremerhaven. Ganze 128 Meter Länge und 22 Meter Breite misst der niederländische Saugbagger „HAM 316“ der dort zurzeit planmäßig überholt wird.


Zuvor hatte der 1998 erbaute Bagger der niederländischen Reederei van Oord Unterhaltungsarbeiten auf der Elbe durchgeführt. Nach Abschluss der Wartungsarbeiten bei RS Heise wird der Bagger, der auch mit nachhaltigen Biokraftstoffen wie Altspeiseöl betrieben werden kann, nochmal an die Elbe zurückkehren, bevor das Schiff dann im Laufe des Jahres nach Großbritannien wechseln wird.


Nach der Insolvenz 2018 übernahm das Wilhelmshavener Familienunternehmen Rudolph Schulze GmbH das Schiffsreparaturunternehmen Heise GmbH. In der Rudolph Schulze-Gruppe sind rund 95 Beschäftigte tätig. Allein über 30 Mitarbeiter sind es heute bei RS Heise in Bremerhaven. Als Betriebsleiter hat dort seit Anfang des Jahres Jan Stoll das Ruder in der Hand. Der 51- jährige Schiffsbetriebstechniker ist in der maritimen Wirtschaft im Unterweserraum nicht gänzlich unbekannt, er wechselte nach der Insolvenz bei der Schichau-Seebeckwerft Bremerhaven zu einer Bremer Reederei, später kamen dann noch unter anderem Stationen bei der Rönner-Gruppe und einem Ingenieurbüro in Oldenburg hinzu.


Seit dem Einstieg von Stoll bei RS Heise wechselten dort nun die Begriffe wie „wenig Arbeit“ oder sogar „Kurzarbeit“ mittlerweile wieder in „Vollauslastung“ und „Neueinstellungen“. So ist es Jan Stoll innerhalb von wenigen Monaten gelungen den „turn around“ zu schaffen und ist auf dem besten Wege, das mittelständische Unternehmen zu einem wichtigen Reparaturbetrieb für Boote und Schiffe aller Art zu machen. Dafür steht ihm ein leistungsfähiges Team aus Rohrschlossern und Maschinen- und Schiffbauern zur Verfügung. Stoll verweist darauf, dass es dabei zurück zu den klassischen Kompetenzen einer Reparaturwerft geht, zum absolut digitalfreien Handwerk.



Mit diesem Konzept konnte er mit Unterstützung des befreundeten Unternehmens „Wenzel Marine“ den Kontakt zur zypriotischen Reederei EDT Offshore herstellen. Seit 1991 ist das inhabergeführte Unternehmen Wenzel Marine mit Sitz in Brinkum bei Bremen, darauf spezialisiert über 70% seiner Kundenaufträge, Lieferung von Schiffsersatzteilen, aus eigenen Lagerbeständen abzudecken.


Nach einem Anruf auf dringende Hilfe bei der Reparatur einer Kranwinde an einem Offshore-Supply-Vessel von EDT in diesem Frühjahr konnte Jan Stoll der Reederei sehr schnell helfen. Damit setzte die Belegschaft ein eindeutiges Signal, so dass die Reederei in diesem Jahr schon drei Schiffe bei RS Heise umfangreich warten und reparieren ließ. Mit diesen Aufträgen konnte die Auslastung in diesem Jahr schon maßgeblich verbessert werden.


EDT HERCULES und EDT PROTEA an der Heise-Pier, Luftfoto Scheer


Aktuell liegt hierzu die „EDT Hercules“, ein Versorgungsschiff mit dem markanten und patentierten Ulstein X-Bow an der Heise Pier, ein Schiff, dass in der Offshore Gas- und Industrie als auch in der Windindustrie zum Einsatz kommt. Der Auftragnehmer ist mehr als zufrieden mit den Arbeiten der Bremerhavener Reparaturwerft, so dass hier sogar über eine weitergehende Zusammenarbeit nachgedacht wird.


Das Unternehmen Heise GmbH wurde im Jahr 1987 von Karl-Werner Heise gegründet, das schon bald in den Räumlichkeiten der ehemaligen, 1988 geschlossenen Sieghold-Werft einzog. 2018 musste der Sohn von Karl-Werner Heise Insolvenz anmelden. Der Wilhelmshavener Unternehmer Claus Philipp, Eigner der Rudolph Schulze GmbH, übernahm im Jahr 2019 und führte dies für Reparatur- und Neubauarbeiten spezialisierte Unternehmen weiter. Zu den Kunden zählten schon immer namhafte Reedereien, Industriebetriebe aus vielen verschiedenen Branchen sowie Firmen aus dem Bereich Wasserbau.


Die vor einigen Jahren neu erstellte 220 Meter lange Pier, die mit einem 6 to. Kran ausgerüstet ist, grenzt unmittelbar an die Werkstätten, so dass sich auf dem Betrieb sehr kurze Wege vom Schiff zu den einzelnen Gewerken ergeben. An der Pier können Schiffe bis zu 7,00 m Tiefgang problemlos anlegen. Neben der Stromversorgung sind auch Frischwasser- und Feuerlöschanschlüsse vorhanden.


Die weißen Werkhallen auf dem Betriebsgelände, die zum Großteil noch aus der Historie der 1924 von Max Sieghold gegründeten Werft stammen, werden heute nicht nur als Werkstätten von RS Heise genutzt, sondern sind zum Teil auch langfristig als Lager für ein Schleppunternehmen oder als Werkstatt für einen namenhaften Yachtbaubetrieb vermietet.

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