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Norwegischer Postschiffsklassiker letztmalig in diesem Jahr in Bremerhaven

Autorenbild: Christian Eckardt
Christian Eckardt
vor 36 Minuten
4 Min. Lesezeit

Unter Denkmalschutz stehende „Nordstjernen“ nahm im März 1956 in Hamburg


den Dienst auf


Das Kreuzfahrtterminal in Bremerhavener begrüßt regelmäßig nicht nur die größten, sondern auch häufig die neuesten Kreuzfahrtschiffe, die zum Beispiel von der Papenburger Meyer Werft an der Columbuskaje ausgerüstet und an den Eigner übergeben werden. Doch der Besuch des norwegischen Passagierschiffes „Nordstjernen“ in diesem Jahr war schon etwas ganz Besonderes, handelt es sich dabei doch nicht nur um eines der kleinsten aber vor allem um das älteste noch fahrende Motor-Hochseekreuzfahrtschiff der Welt. Das ehemalige norwegische Postschiff wurde in diesem Jahr 70 Jahre alt, und steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Seit ein paar Jahren gehört das Schiff der norwegischen Reederei Vestland Classic.



Schon mehrfach lief die rund 110 Passagiere fassende „Stjerna“, wie sie von ihren Fans liebevoll genannt wird, in den letzten Jahren die Geburtsstadt Hamburg an, doch an der Weser war das Schiff bislang noch nie zu Gast. Die „Nordstjernen“ kam direkt aus der Werft in Danzig – über den Nord-Ostsee-Kanal – an die Weser. Dort musste das Schiff in den letzten Wochen nach einer Kollision mit einem Anleger außerplanmäßig repariert werden. Zudem erhielt das Schiff eine neue Klasse.


Bei dem nun dritten und letzten Anlauf in diesem Jahr gingen wieder rund 90 Passagiere an Bord des Schiffes. Wie auch schon bei der zweiten Ankunft des Schiffes, machte das Schiff aufgrund der Größe wieder nicht an der Columbuskaje sondern nach der Passage der Nordschleuse, am Verbindungshafen, gegenüber der Lloyd Werft fest.



Am frühen Abend nahm die „Nordstjernen“ Kurs auf eine dreitägige Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Warnemünde. Ob das Schiff im nächsten Jahr dann nochmals in Bremerhaven Reisen starten wird, ist noch nicht final geklärt. Derzeit sind die Planungen für 2027 noch nicht abgeschlossen, wie eine Reedereisprecherin mitteilte.


Eigentlich waren noch zwei weitere Besuche des Schiffes im April dieses Jahrs geplant, doch im Jubiläumsjahr hatte das Schiff eine Pechsträhne. Am 4. März erlitt das Schiff auf der ersten Reise der Saison, am Kai in Trondheim durch ein heftiges Unwetter Schäden am Rumpf. Diese Schäden waren so massiv, dass die weitere Reise abgesagt werden musste und eine zwingende Reparatur notwendig war. Somit wurde die Jubiläumsfahrt auf den Spuren der Hurtigruten anlässlich des 70-jährigen Bestehens des mittlerweile unter Denkmalschutz stehenden Schiffes abgebrochen und das Schiff nahm Kurs auf die Remontowa-Werft im polnischen Danzig. Nach erfolgter Reparatur sollte die erste Reise der Sommersaison im Juni wieder starten. Doch schon kurz nach dem Ablegen am 19. Juni kollidierte das Schiff mit einer Werftkaje. Beim Manövrieren stieß das Schiff mit dem Heck der Backbordseite gegen den Kai. Dabei riss sich das Schiff an einer Stelle die Außenhaut auf rund 25 Zentimetern auf. Erst mit Schlepperhilfe konnte das Schiff wieder an der Kaje festmachen. Offensichtlich führte ein Maschinenschaden zur Kollision. Somit war ein erneuter Werftaufenthalt notwendig.

 

Die „Norstjernen“ wurde 1956 auf der Hamburger Werft Blohm & Voss gebaut. Sie fuhr 56 Jahre lang auf der Postschiffsroute entlang der norwegischen Westküste und steht unter Denkmalschutz. Auf der legendären Route zwischen Bergen und Kirkeness verkehrte das nur 89 Meter lange Schiff dann für 56 Jahre und konnte damals sogar bis zu 4 PKW mitnehmen. Im Jahr 2012 schied die „Nordstjernen“ aus dem regelmäßigen Liniendienst der Postschiffsroute aus und wurde im selben Jahr nach Bergen an die Vestland Rederi AS verkauft und umfassend renoviert – auch mit finanzieller Hilfe der norwegischen Denkmalschutzbehörde.


Im November 2012 wurde die „Nordstjernen“ von der obersten norwegischen Denkmalschutzbehörde unter uneingeschränkten Denkmalschutz gestellt. Denn sie stellt ein besonderes Beispiel für das Schiffsdesign der 50er Jahre dar, das in vielen Bereichen noch auf Entwürfe der 30er Jahre und der Dampfschiffszeit zurückgeht.

Ab dem Jahr 2015 kehrte die „Nordstjernen“ während der Sommermonate für ihren früheren Eigentümer Hurtigruten in die arktischen Gewässer des Svalbard-Archipels (Spitzbergen) wieder zurück. Schon in dieser Zeit wurden vor und nach der jeweiligen Sommersaison in Svalbard zusätzlich nostalgische Küstenreisen für Vestland Classic durchgeführt, die das Schiff in interessante Regionen auch außerhalb ihres bisherigen Einsatzgebietes geführt haben. Auf inzwischen 15 Reisen konnten die Passagiere das nostalgische Flair eines echten Oldtimers genießen und dabei besondere, kleinere Häfen kennenlernen, so in der dänischen Inselwelt, dem Baltikum oder den Inseln im Norden Schottlands.



Neue gesetzliche Vorgaben im letzten Jahr, beispielsweise dürfen in arktischen Gewässern keine Schiffe mehr mit offenen Rettungsbooten fahren, die auf der "Nordstjernen" aber mit unter Denkmalschutz stehen, sorgten für eine Einstellung der Spitzbergenreisen. Somit hat die Reederei in diesem Jubiläumsjahr der „Stjerna“ neue Reiserouten ins Programm aufgenommen, wobei für die Ostseereisen meist Warnemünde der Starthafen ist.

Obwohl die Unterbringung an Bord eher rustikal und erfolgt in einfachen, kleinen holzgetäfelten Kabinen, erfolgt, sind die Reisen bei Fans und Shiplovern sehr beliebt. Dabei verfügen viele Kabinen im unteren Preissegment, die sich teilweise noch im Originalzustand von 1956 befinden, nicht einmal über ein eigenes Bad. Zudem verweist die Reederei darauf, dass in einigen Kabinen während der Fahrt Maschinengeräusche als auch der Schiffsschraube deutlich zu hören sind. Die meisten Betten haben auch nur eine Länge von 190 cm. In den Hinweisen zu den Kabinen der Reederei heißt es, dass die Kabinen den Gästen eine gute Gelegenheit bieten, Abstand vom Luxus der heutigen Zeit zu nehmen und sich darauf zu besinnen, dass das Leben vor 40-50 Jahren auch einfacher funktionierte. Mit einem Augenzwinkern wird darauf hingewiesen, dass ein gewisses Maß an Kreativität und Toleranz helfen wird, sich mit den Kabinen auf der „Nordstjernen“ anzufreunden.

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