• Christian Eckardt

Stahlbauer aus Bayern hat ehemalige Lühring Werft übernommen


Die Hermann GmbH Maschinenbautechnologie startet jetzt auch in Brake an der Unterweser durch und lässt auf dem Gelände der ehemaligen Lühring-Werft im Ortsteil Hammelwarden wieder Leben einkehren.


Seit dem 13. März 2020 wurde dort mit 7 Schweißern und 5 Schlossern die Produktion hauptsächlich für den Bereich Stahlwasserbau aufgenommen. Das Ziel ist es jedoch in diesem Jahr die Belegschaft auf mindestens 30 Mitarbeiter zu erhöhen.

Auf dem Werft Gelände mit einer Fläche von über 45.000 m² besteht nun genügend Kapazität für Großprojekte, die aus überwiegend mächtigen Schleusentoren bestehen. Diese können nun noch effizienter bearbeitet werden und durch die direkte Nähe am Wasser auch einfacher abzutransportieren. Auch von außen ist der neue Eigner der Fläche aus Weiden in Bayern in Erscheinung getreten und hat an der Maschinenbauhalle schon das das Firmenlogo anbringen lassen.


Mit dem Erwerb der ehemaligen Lühring Werft wagt das Weidener Unternehmen, das vor allem durch in der Vergangenheit durch große Schleusenbau-Aufträge im Norden von sich hören ließ, einen großen Schritt. Denn durch die immer größer werdenden Dimensionen der Stahlwasserbauwerke, die sich oftmals auch in Teilen nicht mehr auf der Straße oder Schiene transportieren lassen, suchte das florierende Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitern nach einer geeigneten Produktionsstätte mit direktem Zugang zum Wasser. Die bisherigen Produktionsstandorte in Bayern, die in den vergangenen Jahren auf eine Fläche insgesamt14.000 Quadratmeter ausgeweitet wurden und über moderne Schweiß- und Lackierhallen verfügen sind durch die aktuelle Auftragslage des Unternehmens ausgereizt.

Somit wird auf der seit mehreren Jahren schon stillgelegten Lühring-Werft an der Unterweser mit einer Fläche von rund 40.000 Quadratmeter unter anderem auch der Neubau der Schwebefähe über den Nord-Ostsee-Kanal in Rendsburg entstehen. Diesen 11 Millionen teuren Auftrag hatte das Unternehmen im Dezember 2018 erhalten.


In der Vergangenheit hat das Weidener Stahlbauunternehmen schon wichtige Bauteile für die Bremerhavener Kaiserschleuse produziert, eine so genannte Wehrwalze am Hochablass Augsburg, das Sturmflut-Sperrwerk Greifswald, die Rugenberger Schleuse, die Sanierung der Seeschleuse in Wilhelmshaven, die Hadelner Kanalschleuse (Fertigstellung 2022), die Harburger Hafenschleuse sowie die Schleuse Kleinmachnow. Neben der Schwebefähre für den Nord-Ostsee-Kanal, sowie ein Schleusentor in Papenburg, oder auch das Nikolai-Sperrwerk in Hamburg-Hafencity. Dort ist das Schleusentor 60 Meter lang, 20 Meter hoch und zehn Meter breit, wiegt 2600 Tonnen.


Die ehemalige Hammelwarder Schiffswerft C. Lühring Schiffswerft musste 1988 Konkurs anmelden, bis dahin liefen in mehr als 100 Jahren Unternehmensgeschichte rund 60 hölzerne und 390 stählerne Schiffe vom Stapel. So baute die Werft unter anderem 1911 das noch immer in Fahrt befindliche Segelschiff „Eye oft he Wind“, in den 70er Jahren Schwergutschiffe oder für die Bundesmarine die beiden Ölauffangschiffe „Bottsand“ und „Eversand“. Nach dem Konkurs übernahm vor einigen Jahren die Rönner-Gruppe aus Bremerhaven das Werftgelände.


Vor rund 15 Jahren gab es dann eine Zeitlang wieder Schiffbau auf dem Werftgelände. Auf der umbenannten ConMar-Werft wurde ein 100 Meter langes Frachtschiff vom Typ Futura Carrier auf Kiel gefertigt. Dieser Prototyp eines als äußerst umweltschonenden geltenden Küstenfrachters sollte dort am 5. Oktober 2006 vom Stapel laufen, jedoch verlief das Ereignis anders als vorgesehen: Durch die vorherige Insolvenz der ConMar-Werft während der Bauphase des Frachters mit dem Namen „RMS Kiel“ konnte dieses Projekt somit nur mit einer enormen zeitlichen Verzögerung fertig gestellt werden. Bei dem Stapellauf im Oktober 2006 blieb dann das Schiff auf der Hälfte der Ablaufbahn hängen, vermutlich war das Schmierfett auf den Pallungen unterhalb des Schiffskiels mittlerweile veraltet.



Die letzten Aktivitäten auf dem Werftareal südlich von Brake gab es dann vor über fünf Jahren, da wurde das frühere Dock der Werft auf Veranlassung des Eigners zugeschüttet, da ein wirtschaftlicher Betrieb, durch die undichten Schotten zur Weser hin, nicht mehr darstellbar war. Somit wurde das alte Dock verfüllt und der Anschluss zur Weser wurde mit Spundwänden abgeschottet. Danach wurde das Gelände noch einmal für den Bau einer Öl-Raffinerie eines Schweizer Unternehmens in Spiel gebracht, aber der Traum in der Wesermarsch von der millionenschweren Investition auf der ehemalige Lühring Werft platze, da sich der Investor als unseriös darstellte. Seit Mai 2017 nutzte die benachbarte Elsflether Werft ein Teil der Werftfläche und der Hallen, auf der sogar noch die alten Masten der „Gorch Fock“ lagerten.


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