• Christian Eckardt

Super-Gau in Bremerhaven: Totalschaden an historischer Drehbrücke


Foto Bremenports


Kaiserhafen ist für Schiffe vorübergehend nicht erreichbar


Die rund 90 Jahre alte grüne Drehbrücke im Bremerhavener Überseehafen ist nicht mehr funktionsfähig. Am Donnerstagnachmittag ist einer der beiden Obergurte gerissen. In der Folge sind weitere Stahlteile des Bauwerks zerstört worden. Bei der sofort eingeleiteten Untersuchung wurde festgestellt, dass an der Brücke ein irreparabler Totalschaden entstanden ist, wie der Hafenbetreiber Bremenports nun mitteilte.


Da derzeit auch die Kaiserschleuse wegen Reparaturarbeiten nicht befahrbar ist, ist der Kaiserhafen vorübergehend für die Schifffahrt nicht zu erreichen. Bremenports arbeitet nun mit Hochdruck daran, dass Reservetor der Kaiserschleuse für einen Notbetrieb vorzubereiten und in das Binnenhaupt einzusetzen. Nach derzeitigen ehrgeizigen Planungen soll die Schleuse am Sonntagnachmittag im Notbetrieb wieder befahrbar sein. Für den KfZ-Verkehr ist die Columbusinsel über die Kaiserschleuse erreichbar.

Parallel wird intensiv daran gearbeitet, den Rückbau der Drehbrücke vorzubereiten. Die Brücke soll von einem Schwimmkran geborgen und mittels eines Pontons zu einem Abwrackplatz verbracht werden.


Aktuell befinden sich zwei Autotransporter im Kaiserhafen, die über die Drehbrücke den Hafen verlassen müssten. Eines der letzten Schiffe die die Drehbrücke passiert haben, ist die Neubaujacht „Solaris“ der Lloyd Werft, die am Donnerstagmorgen von einer Probefahrt in der Nordsee zurückkehrte.

SOLARIS, links, rechts die historische Drehbrücke, Foto Eckardt


Wegen der Ermüdungsgefahr war die Drehbrücke jährlich einer umfassenden Bauwerksinspektion unterzogen worden. Der letzte Prüfbericht des TÜVs Rheinland stammt vom 23. Januar 2021 und ergab für den Berichtszeitraum bei allen ermüdungsgefährdeten Obergurtträgern ein sicheres Betriebszeitintervall von mindestens 12 Monaten.


Die Drehbrücke vor der Nordschleuse ist die größte Eisenbahndrehbrücke Deutschlands. Sie bildet ein wichtiges Bindeglied der Eisenbahnstrecke zum Columbusbahnhof und entstand 1928 bis 1930 im Zuge der groß angelegten Hafenerweiterungsmaßnahmen. Das aus Stahl gefertigte und genietete Brückenbauwerk besitzt eine Länge von 111,9 Metern, zwei Schienenstränge, eine zweispurige Straße und einen Fußgängerüberweg und kann in etwa sieben Minuten gedreht werden, um Autotransporter oder Reparaturschiffe der Lloyd-Werft durchzulassen.

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