• Christian Eckardt

Umbau des ehemaligen Lotsenstationsschiffes „Gotthilf Hagen“ stockt“


Nur noch ein Schiff des ehemaligen Sextetts ist noch aktiv im Dienst

Seit nunmehr 8 Jahren liegt das ehemalige deutsche Lotsenstationsschiff „Gotthilf Hagen“ in einer Werft im niederländischen Wakendam. Dort starte auch seinerzeit ein Umbau zu einer Privatyacht mit dem Projektnamen „Nelson Mandela“. Doch offensichtlich stockt das Projekt, denn seit mehr als zwei Jahren sind keine baulichen Veränderungen an dem alten Meyer-Bau zu erkennen. Für 145.000 € wurde das ehemalige Behördenschiff über die Vebeg GmbH im Herbst 2011 an ein niederländisches Unternehmen verkauft. Dahinter steckt auch die Veka Werft in Werkendam, die vor allem aus dem Neu- und Umbau von Binnenschiffen bekannt ist.


Nach den ursprünglichen Plänen des Werfteigners sollte aus dem ehemaligen Lotsenstationschiff eine Privatyacht werden. Dazu wurden bereits einige Aufbauten auf dem ehemaligen Meyer-Bau mit der Baunummer 496, das im Jahr 1958 in Dienst gestellt wurde, entfernt. Zwar sind im Inneren schon einige Arbeiten fortgeschritten, so wurden die Kojen für die bisherigen 27 Besatzungsmitglieder schon komplett ausgebaut und eine neue Küche, Badewanne und Sauna sind wurden schon wieder eingebaut. Auch eine Wendeltreppe aus dem Unterdeck in den bisherigen Aufenthaltsraum lassen den zukünftigen Charme des Schiffes erkennen. Auch wurden im Bereich der ehemaligen Messe mehrere Öffnungen gebrannt. Hier wurden große Fenster eingebaut, damit die Fahrgäste einen freien Blick auf das Wasser erhalten. Doch nach dem jetzigen Stand sind weder die Maschine noch die Brücke des ehemals in Bremerhaven beheimateten Schiffes instandgesetzt. Ob die dieselelektrischen AEG-Fahrmotoren noch fahrtbereit sind ist auch unklar. Für die Stromversorgung der Fahrmotoren sorgten seinerzeit drei Maybach-Dieselgeneratoren mit einer Leistung von jeweils 330 kW.


Über 50 Jahre versah die „Gotthilf Hagen“, eines von sechs fast baugleichen Schiffen, die auf der Papenburger Meyer Werft bzw. auf der Schichau-Werft in Bremerhaven entstanden, in der Deutschen Bucht ihren Dienst als Lotsenstationsschiff, ehe es 2009 durch den Einsatz modernster SWATH-Versetzungsboote abgelöst wurde. Die 55 Meter lange und 9,5Meter breite „Gotthilf Hagen, benannt nach dem preußischen Wasserbauingenieur Gotthilf Hagen, der im Auftrag der preußischen Admiralität die Hafenanlagen von Wilhelmshaven leitete, wurde im Sommer 2010 außer Dienst gestellt.


Von den ursprünglich sechs Stationsschiffen wurden drei auf der Elbe, zwei auf der Jade / Weser und eins auf der Ems eingesetzt. An Bord gab es 25 Kabinen mit insgesamt 70 Betten, für bis zu 28 Besatzungsmitglieder und für bis zu 42 Lotsen. An Bord gab es mehrere Messen, so eine Offiziers- und eine Mannschaftsmesse und für die Lotsen eine separate Lotsenmesse. Als erstes Stationsschiff wurde die bisher vom Lotsbetriebsverein Cuxhaven eingesetzte „Kommodore Rolin“ im Jahr 2000 außer Dienst gestellt. Nach einer Umbenennung in „Kommodore“ wurde das Schiff dann sechs Jahre später in Elsfleth verschrottet.


Die im Jahr 1961 von der Bremerhavener Schichau Werft gelieferte „Kommodore Hilfgendorf“ wurde ebenfalls vom Lotsbetriebsverein in Cuxhaven betrieben und im Sommer 2001 außer Betrieb genommen. Das Schiff sollte zur Megayacht „Penguin“ für die Eagle Shipping bei der Peters-Werft in Wewelsfleth umgebaut werden. Mitten in der Umbauphase wurden die Arbeiten eingestellt. Nachdem der unfertige Schiffsrumpf nicht mehr verkauft werden konnte, wurde auch dieser verschrottet.


Die im Jahr 1964 abgelieferte „Kommodore Ruser“ diente in Cuxhaven bis zuletzt als Ersatzschiff, wenn das SWATH-Stationsschiff „Elbe“ zum Bunkern oder Personalwechsel die Station in der Außenelbe verlassen musste. Erst Anfang 2012 wurde die „Komoodore Ruser“ endgültig außer Dienst gestellt und konnte anschließend als „OMS Heilsberg“ ür Offshoreeinsätze vor der Küste Südafrikas verkauft werden. Derzeit verkehrt es derzeit noch aktiv in den Gewässern vor dem Oman unter dem Namen „Defiant“.


Die ehemalige „Kaptiän Bleeker“ mit der Baunummer 518, die an der Ems eingesetzt wurde, konnte im Jahr 2013 über die VEBEG für 186.000 € verkauft werden. Der neue Eigner verkaufte es an das Unternehmen Lanzale Services weiter, die ein Einsatz des Schiffes unter dem Namen 12 für Expeditionsfahrten geplant hatten. Zuletzt wurde das Lotsenschiff auf den Aland-Inseln in der Ostsee gesichtet, wobei unklar ist, ob das ehemalige schwimmende Lotsenhotel bisher überhaupt als Expeditonskreuzfahrtschiff eingesetzt wurde. Im Jahr 2018 wurde es wieder verkauft und im letzten Jahr verkehrte es nach unbestätigten Berichten noch als „Bleeker“ in chinesischen Gewässern.


Als letztes holte dann ein polnischer Schlepper bis zum Jahr 2015 die in Bremerhaven aufgelegte „Kapitän König“ ab. Diese wurde im Jahr 2014 von VEBEG für 203.000 € an einen europäischen Interessenten versteigert. Der neue, aus der Schweiz stammende Eigentümer plante, das eisverstärkte Schiff umfangreich umzubauen, um es für Arktiskreuzfahrten einzusetzen. Bis auf die Einholung von Preisangeboten bei verschiedenen Werften für einen möglichen Umbau passierte dann aber gar nichts. Im Herbst 2015 konnte die KAPITÄN KÖNIG dann an einen neuen niederländischen Interessenten weiterverkauft werden, der es im Januar 2016 nach Rotterdam überführen lies. Die letzte Sichtung gab es zuletzt vor drei Jahren in Griechenland des ehemaligen Lostenstationsschiffes, das sich bis zuletzt noch weitestgehend im Originalzustand befand, im griechischen Hafen Lavrion.

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