• Christian Eckardt

Thünen-Institut bricht Aalexpedition mit der WALTER HERWIG III ab



Die große Aalexpedition des Thünen-Instituts für Fischereiökologie aus Bremerhaven mit dem Fischereiforschungsschiff WALTHER HERWIG III wurde inmitten zur Anfahrt in das Forschungsgebiet abgesagt, das Schiff ist mittlerweile wieder im Heimathafen angekommen.

Aufgrund der aktuellen Umstände mit der Coronakrise musste der zuständige Expeditionsleiter Prof. Reinhold Hanel das Projekt absagen. Am 5. März hatte sich das Fischereiforschungsschiff „Walther Herwig III“ im Rahmen der 434. Forschungsreise von der Seestadt auf den Weg in Richtung Sargassosee im Atlantik gemacht, dem Laichgebiet des Europäischen Aals. Hier wollten die Wissenschaftler nach Aallarven fischen.

Das Team von Prof. Hanel wollte dabei erst aber auf den Bermuda-Inseln zusteigen. Doch aufgrund der Entwicklungen mit dem Corona-Virus bekam die WALTHER HERWIG III die Anweisung zur Rückkehr nach Bremerhaven. Die Aal-Expedition ist eine der größten Forschungsreisen der Thünen-Wissenschaftler. Sie findet nur alle drei Jahre statt. In diesem Jahr sollte die Reise 54 Tage, also bis zum 27.4.2020 andauern.


Aale laichen nicht in unseren Flüssen und Seen – sie nehmen dafür eine mehrere tausend Kilometer lange Reise quer über den Atlantik auf sich. Ziel: die Sargassosee, südlich von Bermuda gelegen, ein Meeresgebiet so groß wie Mitteleuropa. Irgendwo in diesem Areal pflanzen sie sich fort, und die Aal-Larven lassen sich vor allem mit dem Golfstrom zurück an die europäischen Küsten treiben.

Durch eine regelmäßige und standardisierte Erhebung des Larvenaufkommens im Laichgebiet soll entschlüsselt werden, inwieweit Umweltveränderungen im Ozean das Vorkommen und die Verteilung der Larven beeinflussen. Hintergrund dafür ist der dramatische Bestandsrückgang der Art und die Ungewissheit in Hinblick auf die möglichen Ursachen.  

So nehmen die Forscher mit einem speziellen Planktonnetz vor Ort Proben, um möglichst junge Larvenstadien zu erfassen. Mit parallel erhobenen hydrografischen und biologischen Daten soll so ein genaueres Bild über die Verhältnisse entstehen, die für die Reproduktion und das Überleben der Larven notwendig sind. Zusätzlich suchen die Forscher nach den Orten des Laichgeschehens und den Grenzen des Laichareals. Die auf der Expedition gewonnenen Erkenntnisse sollen – eingebunden in eine mehrjährige Untersuchungsreihe – mittelfristig Informationen über den Erfolg der internationalen Bestrebungen für ein verbessertes Bestandsmanagement dieser akut gefährdeten Fischart geben.

Mit einer Länge von knapp 65 m ist die WALTHER HERWIG III das größte der drei deutschen Fischereiforschungsschiffe. Der Heckfänger mit Aufschleppe kommt in den Seegebieten der Großen Hochseefischerei zum Einsatz (Nordsee, Ostsee und Nordatlantik), die Forschungsreisen erstrecken sich in der Regel über 2 bis 7 Wochen. Dabei können Schwimm- und Bodenschleppnetze wie auch Planktonnetze und andere Fanggeräte eingesetzt werden. Mit seinen sieben Laborräumen, Kühlkammern und ozeanographischen Sonden bietet das Schiff dem häufig institutsübergreifend besetzten Team vielfältige Arbeitsmöglichkeiten. Rund 280 Tage im Jahr ist es auf See. Benannt ist das Schiff nach Walther Herwig (1838-1912), dem „Vater“ der deutschen Hochseefischerei und Mitinitiator der europäischen, international koordinierten Fischereiforschung.

Die 1993 in Dienst gestellte WALTER HERWIG III soll 2023 durch einen größeren Neubau ersetzt werden, der dann alle Voraussetzungen für die multidisziplinäre Aufnahme von Daten erfüllt, wie sie für moderne, integrierte Betrachtungen des Meeresökosystems erforderlich sind.


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